Franz Alt: Der Fluch des Öls

24.10.15  15:35 | Artikel: 963189 | News-Artikel (Red)

Franz Alt: Der Fluch des Öls
Franz Alt
Bild: sonnenseite.com
3Es ist der Fluch des Öls: Ob niedriger oder hoher Ölpreis, die noch vorhandenen Reserven müssen aus Klimaschutzgründen zu etwa zwei Dritteln im Boden bleiben.

Der Klimazirkus bewegt sich noch immer im Schneckentempo nach vorn. Genau so wie es die deutsche Bundesregierung nach dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau vorgemacht hat: Erst wurde die Fahne der „Dekarbonisierung“ hochgehalten, viel Beifall dafür kassiert, aber dann sind Merkel und Gabriel schon drei Tage später vor der Macht der Kohlelobby eingeknickt und haben auf eine bescheidene CO2-Steur auf alte Braunkohle-Kraftwerke verzichtet.

Jetzt vor der Weltklima-Konferenz in Paris ist der Ölpreis so billig wie lange nicht mehr. Und zwar so billig, dass Shell seine Absicht, in der Arktis vor Alaska nach neuem Öl zu bohren, aufgegeben hat.

Das ist seit Monaten die erste gute und überraschende Nachricht fürs Klima. Früher galt bei Umweltverbänden und Umweltpolitikern die Devise: Je teurer das Öl, desto weniger wird verbraucht und damit desto besser fürs Klima.

Jetzt aber gilt umgekehrt: Je billiger das Öl, desto geringer der Gewinn für die Konzerne und desto weniger können sie aufwendig bohren. Und das Bohren wird immer aufwendiger, weil das billig zu gewinnende Öl längst verbraucht ist. Das ist die neue Dialektik der alten Ölwirtschaft.

Die effektivste Nachhilfe in Paris heißt: CO2-Steuern auf fossile Rohstoffe weltweit beschließen. Nur dann werden die alten Konzerne auf ihren Reichtümern sitzen bleiben. Hoffnungsvoll ist, dass weltweit potente Investoren wie die Pensionsfonds durch die Divestment-Bewegung Milliarden Dollar und Euro aus fossilen Rohstoffen zurückziehen. Fachleute schätzen, dass allein in den letzten Monaten schon Aktien von über 2.000 Milliarden Dollar abgezogen wurden.




(Autor: Franz Alt)


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