Fell: VW-Skandal: logische Folge einer verfehlten Umwelt- und Automobilpolitik

25.09.15  08:30 | Artikel: 963097 | News-Artikel (e)

Fell: VW-Skandal: logische Folge einer verfehlten Umwelt- und AutomobilpolitikDie kriminellen Abgasmessmanipulationen von VW sind nur der aktuelle Höhepunkt in einer langen Reihe von Automobilpolitik- und Konzernstrategien, die notwendige Klimaschutzmaßnahmen konsequent bekämpften.

Wenn VW-Chef Winterkorn noch am Dienstag in seiner Videobotschaft sagte, dass alles getan werden müsse, um den Schaden zu begrenzen, so weiß er wahrscheinlich gar nicht, welche Schäden Autoabgase verursachen.


Neben Rauchen und den Emissionen von Kohlekraftwerken sind Schadstoffe aus Autos Hauptursache der Luftverschmutzung und Gesundheitsbelastungen wie Lungenkrebs. Allein in China sterben täglich 4.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. In vielen Großstädten der Welt ist die Luftverschmutzung unerträglich, von Peking über Neu-Delhi, Teheran bis Moskau. Auch die EU-Kommission weist unentwegt daraufhin, dass in vielen europäischen Großstädten die Luftverschmutzung ein zu stark gesundheitsgefährdendes Ausmaß annimmt.

Die weltweite Automobilindustrie (außer Tesla) hat die jahrzehntelangen Aufforderungen zur Entwicklung von Null-Emissions-Autos erfolgreich torpediert. So wurde das erste Markteinführungsgesetz für Null-Emissions-Autos, der Clean Air Act, 1990 in Kalifornien einige Jahre später durch gezielten Lobbyismus, vor allem von General Motors, wieder abgeschafft. Damit wurde die erste Entwicklung von Elektromobilen jäh beendet. Die aktuelle Automobilausstellung in Frankfurt, wo Null-Emissions-Autos nur als Marketing-Gag aber nicht großflächig auftauchen, ist eine Demonstration der jahrzehntelangen Untätigkeit und Missachtung der Autokonzerne wie VW mit Blick auf die Einführung von Klimaschutzmaßnahmen.

Auch heute im Fall VW sind die Sprachlosigkeit von Gabriel und Merkel bezeichnend. Sie fordern gerade mal die Aufklärung des Skandals aber immer noch keine Null-Emissions-Autos, um endlich Gesundheits- und Klimaschutz zu verwirklichen. Beim Rücktritt von VW-Chef Winterkorn, mit dem Hinweis einen personellen Neuanfang zu ermöglichen, sind größte Zweifel angebracht. Bedenken bleiben, ob der neue Chef von VW tatsächlich die Schadensdimension begreift, welche die Abgase der Autos verursachen und inwieweit er endlich eine Konzernstrategie für Null-Emissions-Auto auf den Weg bringt.




Autor: Hans-Josef Fell

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell war energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages von 1998 bis 2013. Er ist Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe zum Thema Energiepolitik.



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