Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 3)

17.09.15  10:08 | Artikel: 963036 | News-Artikel (Red)

Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 3)Dreiteiliger Gastbeitrag von Sascha Röber

Die Reichweite von Elektroautos ist viel zu gering

Im Teil 1 dieser kleinen Serie hatte ich über das Upgrade berichtet, welches in Kürze für den bis 2012 produzierten Roadster vom Hersteller Tesla Motors angeboten werden wird. Das ist ein echtes Novum. Neben ein paar eher kosmetischen Veränderungen, die den Windwiderstand verringern sollen, wird vor allem die leistungsfähigere Batterie (70 kWh) den Wagen um ca. 35% weiter bewegen als die serienmäßig damals verbaute Batterie mit 53 kWh.

Nun ist es (noch) nicht möglich, einfach die Batterie eines Elektrofahrzeugs auszutauschen wie bei einer Taschenlampe. Das ist nach wie vor ein Ziel, welches die Hersteller von Elektroautos keinesfalls aus den Augen verlieren sollten. Denn wie einfach und bequem wäre es, wenn man eine genormte, volle Batterie an der Tankstelle (oder im Supermarkt oder wo auch immer) bekommen könnte. Man würde nur seine leere dort abgeben und die volle mitnehmen und sie ins Auto irgendwo an der Seite einstecken. Ob es jemals dazu kommen wird, ist natürlich noch nicht ausgemacht.

Aber Tesla wird nur einen ganz geringen Teil der eigenen Batterieproduktion abnehmen können. Stattdessen wird Elon Musk Tesla mit dieser Gigafactory zu DEM Produzenten von Lithium-Ionen-Akkus für Autos aufsteigen. Jeder Autohersteller der Welt wird bei ihm vorsprechen und die Preise verhandeln müssen. Nicht Dieter Zetsche von Daimler, nicht Martin Winterkorn von Volkswagen, nein, Elon Musk, der CEO von Tesla Motors wird der King of Battery sein.

Auf der derzeit in Frankfurt stattfindenden Internationalen Automobilausstellung (IAA) hat nun der Hersteller Audi (Claim: „Vorsprung durch Technik“) einen „Tesla-Fighter“ angekündigt. So wolle man ein SUV mit dem Namen Q6 e-Tron als Kampfansage an Teslas noch in diesem Monat auf den Markt kommendes Model X in den Ring schicken. Reichweite: 500 km, und die Batterie soll eine Kapazität von 95 kWh haben. Ein schicker Prototyp dieses wuchtigen Fahrzeugs wurde der interessierten Öffentlichkeit in Frankfurt stolz gezeigt (s. Bild).

xAudi Q6 e-Tron
Bild: Audi AG

Und eine Reichweite von 500 ist das mindeste, was rein elektrisch betriebenes Fahrzeug der Oberklasse mindestens aufweisen muss, denn dieses Benchmark hat Tesla mit seinem Model S schon vor drei Jahren gesetzt. Nur: Die Batterie wird aus Korea kommen, und die Kundschaft wird den Wagen erst in zwei Jahren in der Garage stehen haben, also fünf Jahre nach der Premiere von Teslas Model S. Ob da 500 km Reichweite noch ausreichen? Jetzt muss dieser Prototyp aber auch wirklich in Serie gehen. Audi hat sich hier mit dem Elektrorennwagen R8 e-Tron bereits einmal blamiert, weil der Wagen trotz definitiver Ankündigungen nie in Serie ging. Vorsprung durch Technik sieht anders aus.

Fazit

Die Preise für die in den Elektroautos verbauten Batterien werden tendenziell also weiter deutlich sinken. Das ist gut für die Modellvielfalt, denn damit werden auch Fahrzeuge der Mittel- und Kompaktklasse deutlich billiger werden, und der Aufpreis zwischen herkömmlichen und elektrisch betriebenen Varianten wird deutlich schrumpfen. Allerdings: Am gigantischen Markt der Autobatterien werden auf lange Sicht vor allem amerikanische und asiatische Unternehmen verdienen und die Technologieführerschaft für sich beanspruchen.

Lesen Sie in Kürze Teil 4.

15.09.15: Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 1)
16.09.15: Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 2)
17.09.15: Elektromobilität: Die unterschätzte Gefahr (Teil 3)



Autor: Sascha Röber

www.sascha-roeber.com

Sascha Röber war nach einer über 20-jährigen Karriere als Banker gut fünfeinhalb Jahre Bereichsleiter Corporate Finance beim Solar- und Windparkprojektierer juwi AG in Wörrstadt. Regelmäßig bloggt und tweetet er zu den Themen Energiewende und Elektromobilität und betreibt die Tesla-Vermitplattform teslanauten.com. Privat fährt er einen Tesla Roadster. Sascha Röber wohnt zur Zeit in Frankfurt am Main.



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