Vom «Stromspeicher-Irrglauben» und wirtschaftlicher Sinnlosigkeit

20.08.15  09:14 | Artikel: 962943 | News-Artikel (Red)

Vom «Stromspeicher-Irrglauben» und wirtschaftlicher Sinnlosigkeit
Für jede beliebige Aussage findet man heute in
Deutschland einen Wissenschaftler oder Experten,
der diese gerne bestätigt.
3Einige Konzerne beschäftigen sich zunehmend intensiver mit der der Umwandlung überschüssiger Energie in Wasserstoff, wie Franz Hubik in seinem Artikel «Der Stromspeicher-Irrglaube» im Handelsblatt schreibt. Die Polarisierung ist wieder deutlich zu erkennen - nicht nur im aktuellen Artikel sondern auch wenn man die Überschriften seiner gesammelten Werke überfliegt.

Stromspeicher werden schon seit längerem in Zusammenhang mit der Energiewende diskutiert. Im häuslichen Bereich sind davon auch schon etliche in den Kellern der Bürger installiert worden; hier in Form einer elektrischen Batterie. Power2Gas ist eine Technologie, die mittels Elektrolyse Wasserstoff erzeugt. Der Vorteil dabei ist, dass man Energie so wesentlich länger speichern kann. Durch Verbrennung - wie beim Erdgas - kann wieder Strom daraus werden.

Franz Hubik stellt in seinem Beitrag dar, dass wir es derzeit mit einer "verkorksten Energiewende" zu tun haben und die Bestrebungen in Sachen Power2Gas eher unnütz sind. Als Beleg für den scheinbar falschen Weg führt er Aussagen von zwei Wissenschaftlern an. Lukas Emele (Berliner Öko-Institut) und Olaf Wollersheim (Karlsruher Institut für Technologie) sind beide der Meinung, dass die Power2Gas-Technologie indiskutabel ist.

„Nichts ist teurer als mithilfe von Power-to-Gas gespeicherte Energie aus Solar- oder Windkraft, wieder in Strom umzuwandeln“. Die sogenannte Rückverstromung sei wirtschaftlich völlig sinnlos, da gut 70 Prozent der ursprünglich eingesetzten Energie bei dem Vorgang verpuffe, so Wollersheim.


Dabei werden aber - wie immer - zwei Argumente völlig aus den Augen verloren, die ein Wirtschaftsjournalist aus dem Lobbyhaus Handelsblatt natürlich nicht nennt:

Zum einen ist es notwendig, mit diesen Technologien auch langfristig Erfahrung zu sammeln. Wenn man sich erst darauf konzentriert, wenn das Problem akut ist, dann dauert die entsprechende Entwicklung wieder länger. Gleichzeitig werden dann - vermutlich auch vom Handelsblatt - Stimmen laut, warum man sich nicht schon früher darum gekümmert hätte. Das ist eben Deutschland.

Zum anderen wird natürlich mal wieder das Todschlagargument "Wirtschaftlichkeit" hervorgeholt, was mit Verlaub völliger Mist ist.

Die Millionen von Autos mit Otto-Motoren, die in Deutschland unterwegs sind haben gerade mal einen Wirkungsgrad von ca. 30-35 %, also durchaus vergleichbar mit der Rückverstromung von Wasserstoff aus Power2Gas-Anlagen. Wirtschaftlich völlig daneben.

Und wie viele iPhones kursieren in Deutschland? Warum für Hunderte Euro ein Gerät kaufen, dass gerade mal 10 Dollar in der Herstellung kostet? Wenn es nur um die reinen Zahlen geht, dann dürfte es Apple-Geräte gar nicht geben, weil die aus Verbrauchersicht "wirtschaftlich völlig sinnlos" sind.

Hätte die Menschheit in den letzten 100 Jahren immer nur das wirtschaftlich Sinnvolle getan, dann säße Österreicher Hubik jetzt immer noch auf einer Almhütte beim Kühe melken und würde nicht über die Probleme der Energiewende schreiben.







Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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