Strom nach Polen: Propaganda oder Patriotismus?

12.08.15  13:33 | Artikel: 962925 | News-Artikel (Red)

Strom nach Polen: Propaganda oder Patriotismus?In diesen Tagen wird wieder darüber berichtet, dass deutscher Strom aus erneuerbaren Energien ins Nachbarland Polen exportiert wird. In der Berichterstattung wird diese Situation immer so dargestellt, dass Polen diesen Strom ungewollt aufs Auge gedrückt bekommt und sich nun dagegen wehren will. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Die Physik an sich ist ja gottlob völlig unpolitisch. Soll heißen: Fließt Strom in Richtung Polen, so muss es rein physikalisch dort einen Mangel geben, also Verbraucher. Gäbe es diese nicht, müsste Polen auch keinen Strom von uns importieren.

Und das ist der Kern des Ganzen. Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen: Polnische Produzenten produzieren ein politisches Problem.

Wie in allen Ländern gibt es auf der einen Seite Stromkunden, die möglichst günstig Energie einkaufen wollen. Auf der anderen Seite stehen nationale Kraftwerke, die Ihr Produkt an den Mann bringen wollen. Wenn jetzt allerdings der deutsche Importstrom wesentlich günstiger ist, als der national produzierte, dann ist klar, von wo die Kunden die Energie beziehen. Das mag unpatriotisch sein, aber billiger.

Ebenso klar ist dann, wer sich über die hohen Energiemengen nach Polen beschwert: nämlich die polnischen Kohlekraftwerksbetreiber, die ebenso wie ihre deutschen Mitbewerber dann stöhnen, dass der Betrieb ihrer CO2-Schleuder nicht mehr rentabel ist. Also wird die Propaganda-Maschine angeworfen und es wird mit Netzengpässen argumentiert.

Was in den Medien dargestellt wird ist somit nicht die Tatsache, dass wir in Deutschland zu viel Strom aus erneuerbaren Energien den Polen aufzwingen sondern eher die Darstellung der Kohle-Kraftwerks-Lobby, die ein pekuniäres Problem damit hat. Das Gleiche gilt natürlich auch für das Nachbarland Tschechien.

Auf dieses Problem hat übrigens Hans-Josef Fell bereits im Februar 2013 hingewiesen.





Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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