Bundeskartellamt über mögliche mißbräuchliche Praktiken der Energiewirtschaft informiert

30.07.15  10:45 | Artikel: 962880 | News-Artikel (Red)

Bundeskartellamt über mögliche mißbräuchliche Praktiken der Energiewirtschaft informiertVor knapp zwei Wochen hatte das Berliner Institut Arcor Pilum das Bundeskartellamt auf einen möglichen Anfangsverdacht des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung aufmerksam gemacht. Auslöser waren die mittlerweile erheblichen Kraftwerksausfälle der deutschen Energieversorgung. Das Kartellamt prüft nun, ob und ggf. inwieweit hinreichende Anhaltspunkte für einen Kartellrechtsverstoß vorliegen.

Bereits seit langem berichten wir über die Häufung der ungeplanten Krafwerksausfälle. Mit Hilfe der sogenannten Urgent-Market-Messages (ReMIT) werden Marktteilnehmer darüber informiert, wenn ein Ereignis die am Markt vorhandene Strommenge verändert. Gedacht sind diese Nachrichten, um im Falle von Blitzschlag, Materialfehler oder sonstigen technischen Störungen eine Veränderung der Angebotsmenge an elektrischer Energie zu kommunizieren, ohne dass ein Marktteilnehmer benachteiligt wird.

Fällt ein Kraftwerk aus, so muss der Betreiber die von ihm bereits angebotene bzw. schon im Vorfeld verkaufte Energiemenge trotzdem zur Verfügung stellen, um Liefervertäge einhalten zu können. Experten haben die Situation nun genauer analysiert und kommen zu dem Schluss, dass es zu Preisänderungen auf dem Markt kommt, die durch solche Ausfälle ausgelöst werden.

Somit besteht - durch die sich ergebenden Preisdifferenzen - die Möglichkeit von Arbitragegeschäften, was im Grunde durchaus legitim ist. Nimmt ein Marktteilnehmer jedoch Einfluss auf die Preisgestaltung oder nutzt die Kenntnis über Marktveränderungen aus, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind, dann bewegen sich die Akteure im Bereich des Insiderhandels. Ein ähnliches Phänomen kann im Bereich der Redispatch-Maßnahmen beobachtet werden.

Da diese Gewinnmaximierungen letztendlich die Öffentlichkeit schädigen, wurde dem Bundeskartellamt das Verfahren zur Prüfung vorgelegt.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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