BITKOM und der neue Präsident - Kommentar zur Datensparsamkeit

24.07.15  11:55 | Artikel: 962863 | News-Artikel (Red)

BITKOM und der neue Präsident - Kommentar zur Datensparsamkeit
US-Unternehmen machen mit Kundendaten ein
Vermögen. Das soll jetzt auch in Deutschland so werden.
Der Branchenverband BITKOM hat mit Thorsten Dirks einen neuen Präsidenten. Dieser hatte sich in den letzten Tagen gegen das Prinzip der Datensparsamkeit ausgesprochen und damit eine lebhafte Diskussion entfacht.

Datensparsamkeit ist eines der Grundprinzipien beim Datenschutz. Dieses Prinzip in Frage zu stellen war ein Stich ins Wespennest und sorgte für rege Diskussionen. Im ersten Ansatz hatte die Bemerkung den Anschein, dass Dirks nun die Daten aller Bürger verkaufen will. Doch Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder relativierte die Aussage in einem Blogbeitrag und gibt entsprechde Beispiele.

Dabei setzt er zusehens auf Transparenz und Aufklärung, vergisst allerdings, dass ein Großteil der Deutschen weder Interesse an diesem Thema hat, noch über den geistigen Horizont verfügt, zu erkennen, ob denn überhaupt Nachteile auf Grund von Datensammlungen das Leben verändert haben. Hier sei nur auf Fahrzeugdaten oder Smart Watches verwiesen.

Hinter den ganzen Begründungen stehen vermutlich aber mal wieder handfeste wirtschaftliche Interessen. Dirks vergleich die Situation mal wieder mit den Zuständen in den USA. Dort sei man bereits weiter, als hier in Europa. Klar, dort ist Datenschutz nach unserem Vorbild völlig unbekannt und alles was Geld bringt, wird ohne Skrupel umgesetzt.

Ähnlich legitimiert auch Dirks die Aufgabe der Datensparsamkeit: Wenn wir es nicht machen, dann tun es andere. Klasse Einstellung. Dann kann der BITKOM ja anfangen, gesammelte Personendaten an Versicherer, Krankenkassen, die Schufa und den BND zu verkaufen. Sofern der Kunde darüber aufgeklärt wird, soll ja alles in Ordnung sein, wobei Aufklärung vermutlich auch bedeutet, dass auf Seite 132 der AGBs ein entsprechender Hinweis versteckt ist.

Bei vielen Aussagen kann man dem Kommentierer Rohleder beipflichten, doch nicht alles was technisch umsetzbar ist muss gemacht werden, weil Kohle sexy ist und es den Unternehmens-Aktionären besorgt.


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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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