Billige(re) Frühverrentung der Deutschen Braunkohle

17.07.15  08:36 | Artikel: 962843 | News-Artikel (Red)

Billige(re) Frühverrentung der Deutschen BraunkohleDefacto ist die im Weißbuch “Strommarkt 2.0″ vorgeschlagene Kapazitätsreserve – bestehend aus ausschließlich Braunkohlekraftwerken – eine Frührente für eine Technologie, deren Produktlebenszyklus dem Ende zugeht. Im Kompromiss zwischen Bundeswirtschaftsministerium, RWE und Vattenfall unter Orchestration der IGBCE, wurde folgender Deal ausgehandelt:

Ab 2017 bis 2020 gehen insgesamt 2,7 GW an Braunkohlekraftwerke in eine Kapazitätsreserve. Diese ist je Kraftwerksblock auf 4 Jahre befristet. Ist ein Kraftwerk in der Kapazitätsreserve, so darf es nicht mehr am Markt teilnehmen. Der Stromkunde zahlt mit einer (kommenden) Erhöhung der Stromkosten für die Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit. Nach 4 Jahren ist das Kraftwerk dann endgültig still zu legen und darf kein Strom mehr erzeugen.

Als Kosten in Deutschland wird aktuell von 230 Millionen Euro ausgegangen. Was eigentlich nicht wirklich viel Geld ist, die Mehrkosten dürfte bei deutlich unter 8€ liegen (rechnet man nicht wie die RWE). Hierbei fällt auf, dass das um Zustimmung aus der Bevölkerung bemühte BMWi mit 230 Millionen Euro rechnet, die RWE von 900 Millionen Euro ausgeht. Man sieht, wie weit die Verhandlungspartner sich an dieser Stelle einig sind.

Fakt scheint, dass auf jeden Fall der nicht-privilegierte Stromkunde in Zukunft mehr zahlen muss.

Im öffentlichen Braunkohle Memorandum hatte blog.stromhaltig im April 2015 einen Vorschlag gemacht, der auf die Kapazitätsreserve anwendbar ist. Durch die Überführung der richtigen Kraftwerke (Boxberg, Jänschwalde, Schwarze Pumpe, Schkopau und Lippendorf) würden die Kosten der Redispatches deutlich zurück gehen. Die so gesparte Milliarde steht für die Deckung der Kosten einer Kapazitätsreserver zur Verfügung.

Auswirkung auf die Präqualifikation (Auswahl der Kraftwerke in der Kapazitätsreserve):

  • Abhängig von den verursachten Redispatchkosten
  • Reperationszahlungen werden in Höhe der Redispatchkosten der vergangenen 4 Jahre für die kommenden 4 Jahre gezahlt
  • Auf längere Sicht (+8 Jahre) würden die Netzentgelte zurück gehen
  • Systemrelevanz von einzelnen Kraftwerken wird hervorgehoben
  • Marktverzerrende Wirkung einzelner Kraftwerke wird aufgelöst
  • Strukturwandel / Änderung der Stromverbrauchszentren wird langfristig über die Kapazitätsreserve parallelisiert.
  • Die Diskriminierung anderer Energieträger in der ersten Welle würde aufgelöst.





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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