ENTSOe setzt sich für ein «Consumer-Centric Energy System» ein

16.07.15  08:30 | Artikel: 962840 | News-Artikel (Red)

ENTSOe setzt sich für ein «Consumer-Centric Energy System» einNach einer aktuellen Meldung des Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E), soll das Stromnetz, der Strommarkt und die Stromkunden näher zusammenrücken.

The European Commission’s Communication on New Retail Energy Markets marks an important step towards a consumer-centric energy system. ENTSO-E particularly welcomes the emphasis placed on enabling consumers to provide system services such as balancing power through distributed generation and Demand Side Response (DSR). We strongly believe that consumers should be able to participate in all markets as this will help achieving EU policy goals more cost-efficiently.

Auf nationaler Ebene versucht man die Stromkunden möglichst weit vom Strommarkt abzuschirmen und hinter Bilanzkreisen zu verstecken. Die (kostenpflichtige) Übernahme von Systemdiensten soll den bestehenden Akteuren vorbehalten bleiben. Bereits im Beitrag “Der Kunde im Strommarkt 2.0” wurde auf diesen Missstand im laufenden Gesetzgebungsverfahren hingewiesen. Die ENTSOe nennt konkrete Handlungsfelder, die man sich in dieser Form auch für Deutschland wünschen würde. Der BDEW und BEE könnte als Visionsgeber auftreten, wodurch ein Konzens von etwa 30% der Stromerzeugungsunternehmen bereits gegeben sein würde.

This will require intensified collaboration between transmission system operators (TSOs) and distribution system operators (DSOs). It will also require appropriate arrangements for data management, to ensure that TSOs, DSOs, suppliers and other market participants are able to have access to the required data in timely and transparent manner.

Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber haben aktuell keine Kommunikation mit dem Kunden. Lediglich bei den Stromanbietern existiert ein Konzept für Kunden. Bei dieser Ausklammerung gibt es in Deutschland keinen Unterschied, ob man vom typischen Mittelständler oder den privaten Stromkunden spricht – bei den Netzbetreibern verschwinden sie hinter einer Zählpunktnummer. Soll der Kunde integriert werden, so muss das Marktdesign hierfür den Anfang machen. Der Strommarkt 2.0, wie er bislang favorisiert wird, ändert hier nichts (vergl. Memorandum Strommarkt 2.0).

Resources should be able to value their potential where it is the most efficient for them (balancing and reserves, system services, day-ahead and intraday markets, congestion management, contracts with DSOs or TSOs as an alternative to grid reinforcement, etc.). Creating exclusive, fragmented markets per DSO and per TSO will jeopardize this ability for resources to maximize their economic potential. Furthermore, enabling the market participation of DSR will require removing all barriers to aggregation. This means that consumers should be able to aggregate regardless of their connection points.

Gerade der letzte Satz gibt Hoffnung. Bislang verhindern Markteintrittsbarrieren, dass Stromanbieter aus anderen EU-Ländern in Deutschland aktiv werden können. Lediglich bei der Vergabe der Verteilnetzkonzessionen ist man an europäischen Ausschreibungen gebunden – der Stromkunde ist im nationalen Markt gefesselt.





Autor: Thorsten Zoerner

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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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