Fell: Aus Angst um die Existenz: Ölkonzerne schlagen plötzlich Klimaschutzaktivitäten vor

06.06.15  11:00 | Artikel: 962742 | News-Artikel (Red)

Fell: Aus Angst um die Existenz: Ölkonzerne schlagen plötzlich Klimaschutzaktivitäten vor
Hans-Josef Fell,
Bündnis90/Die Grünen
3Sechs große Öl- und Gaskonzerne (Shell, BP und BG Group aus Großbritannien, Total aus Frankreich, Statoil aus Norwegen und Eni aus Italien) schlagen plötzlich eine feste Kohlenstoffsteuer vor, anstelle der Fortführung des Emissionshandels. Dies wäre in der Tat eine wirksame Klimaschutzmaßnahme - im Gegensatz zu dem völlig wirkungslosen Emissionshandel.

Die Frage ist nur, ob die Konzerne es ernst meinen oder nur Schadensbegrenzung für ihre Geschäfte mit der Klimazerstörung im Sinn haben. Angesichts der Tatsache, dass die weltweite fossile Energiewirtschaft immer noch Jahr für Jahr einige tausend Milliarden US-Dollar in die Erschließung neuer fossiler Rohstoffquellen steckt, ist die Ansage der sechs Konzerne wenig glaubwürdig. Wirklich wirksamer Klimaschutz wäre es, die Investitionen der Öl- und Gaskonzerne in Fracking, arktische Ölbohrungen, Tiefseeöl etc. zu beenden und in Erneuerbare Energien umzulenken. Doch davon hört man von Seiten der Konzerne nichts. BP hatte sich mal den Namen „Beyond Petroleum“ gegeben, doch auch davon ist nichts mehr zu sehen.

Der Grund für ihren plötzlichen Klimaschutzvorschlag liegt wohl wo anders: Immer weiter greift die Erkenntnis über die Carbon Bubble, die nächste Finanzblase, um sich. Immer mehr Finanzinvestoren steigen aus Beteiligungen der fossilen Energiewirtschaft aus oder gehen keine Neuen mehr ein.

Da kommen offensichtlich auch die großen Mineralölkonzerne ins Grübeln, ob die großen Renditen, die sie über Jahrzehnte hinweg scheffelten, auch in Zukunft noch sprudeln werden. Vor allem die drohenden Klimaschutzaktivitäten machen ihnen offensichtlich Sorgen. Wenn auf der kommenden Weltklimaschutzkonferenz im Dezember in Paris nun entgegen allen Erwartungen doch Beschlüsse gefasst würden, das zwei Grad Ziel anzustreben (was im Übrigen für einen wirksamen Klimaschutz immer noch unzulänglich ist), dann wären auf einen Schlag die größten Mengen der noch unerschlossenen Erdöl-, Erdgas- und Kohlereserven finanziell nichts mehr wert. Doch genau sie sind es, die der weltweiten Finanzwirtschaft als Sicherheit für weitere Investitionen gelten. Mit einem Schlag würden für die fossilen Konzerne existenzbedrohende finanzielle Unsicherheiten entstehen.

Daher ist es leider offensichtlich, dass die Öl- und Gaskonzerne mit ihren Vorschlägen bloß einem stärkeren Klimaschutzabkommen den Wind aus den Segeln nehmen wollen, um weiterhin große Geschäfte mit der Klimazerstörung zu machen.

Die Vorschläge der Ölkonzerne zum nachlesen.




Autor: Hans-Josef Fell

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell war energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages von 1998 bis 2013. Er ist Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe zum Thema Energiepolitik.



Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Energiepolitik

Schlagworte:

Gaskonzerne | Klimaschutzvorschlag | Mineralölkonzerne | Klimaschutzabkommen (3)