NSA-Spähskandal: Internetbranche übt Kritik

27.03.15  08:45 | Artikel: 962518 | News-Artikel (e)

NSA-Spähskandal: Internetbranche übt KritikDeutliche Kritik am Umgang staatlicher Instanzen mit der geheimdienstlichen Überwachung des Internets übte am Donnerstag vor dem zur Durchleuchtung des NSA-Spähskandals eingesetzten Untersuchungsausschuss Klaus Landefeld vom Vorstand des deutschen Internetverbands eco.

Es mangele an „klaren Standards“ für die Umsetzung der von der G-10-Kommision genehmigten Ausforschung der Telekommunikation, weshalb die letztlich angezapften Datenströme größer werden könnten als die „Abhörmasse“, die formell zur Auswertung freigegeben sei. Beim weltweit größten Internetknoten DE-CIX, der von eco in Frankfurt betrieben wird, „tun wir alles, um einen Zugriff durch ausländische Nachrichtendienste zu verhindern“, betonte der Zeuge.

Von dessen Befragung erhofften sich die Abgeordneten Erkenntnisse über das geheimdienstliche Ausspionieren von Datenumschlagplätzen im Internet.

Der Ausschuss soll die vom Whistleblower Edward Snowden aufgedeckte Ausspähung der Telekommunikationsdaten von Millionen Deutschen durch den US-Geheimdienste NSA sowie durch Dienste anderer Staaten erhellen. Dabei prüfen die Parlamentarier auch, ob der Bundesnachrichtendienst (BND) in diesen Skandal verwickelt ist. Dem BND ist es verboten, Informationen über Deutsche, an die er im Zuge seiner Auslandsspionage als „Beifang“ gelangt, Partnern zu überlassen:

Zu einer Ausspähung des Internetknotens DE-CIX durch ausländische Geheimdienste sagte der 46jährige, eine hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben. Ein Ausspionieren des DE-CIX, an den weltweit rund 700 Firmen angeschlossen sind, sei aber kaum vorstellbar. Der Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg (CDU) fragte, ob man im verschachtelten System des DE-CIX irgendwo unbemerkt ein Abhörgerät anbringen könne.

Dies sei technisch prinzipiell möglich, erläuterte der Zeuge, „doch das würde auffallen, man kann bei uns nicht einfach eine fremde Technik installieren“. Und selbst wenn dies gelingen sollte, so müsse zusätzlich noch ein Kabel zur Ausleitung der abgegriffenen Datenströme zum DE-CIX gelegt werden, und das könne nicht unbemerkt geschehen. Landefeld unterstrich, dass beim eco-Internetknoten die Daten in „hochsicheren Rechenzentren“mit einer mehrstufigen Zugangskontrolle lagerten.

Ob Geheimdienste die Datenströme mit Hilfe von Trojanern anzapfen könnten, wenn sie sich unter einer Legende beim DE-CIX als normaler Kunde anmeldeten, wollte Sensburg wissen. Auch für diesen Fall „ergreifen wir Gegenmaßnahmen“ wie etwa spezielle Kontrollen von Zählerständen bei der Datenübermittlung, sagte Landefeld: „Wir denken uns ständig neue Bedrohungsszenarien aus.“




(Quelle: Deutscher Bundestag)


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