Franz Alt: Vom Ende der Energie-Dinosaurier

13.03.15  09:35 | Artikel: 962476 | News-Artikel (Red)

Franz Alt: Vom Ende der Energie-Dinosaurier«Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben», soll Michail Gorbatschow zu Erich Honecker kurz vor dessen politischem Ableben gesagt haben. Diese Lebensweisheit gilt nicht nur in der Politik und im Privatleben, sondern auch in der Wirtschaft.

Die Wahrheit und die Brutalität dieser Erkenntnis haben in dieser Woche die alten Energie-Dinosaurier zu spüren bekommen wie wohl noch nie. Die Energiewende und die Unfähigkeit der alten Energiewirtschaft, aber auch ihr Unwille, darauf angemessen zu reagieren, hat E.on, RWE und Co tief in die Krise rutschen lassen.

E.on hat in den letzten Jahren schon tausende Arbeitsplätze abbauen müssen und musste jetzt einen Rekordverlust von 3,3 Milliarden Euro für 2014 bekannt geben.

Einen ähnlich dramatischen finanziellen Verlust und Arbeitsplatz-Abbau musste auch RWE melden. E.on macht Milliarden-Abschreibungen auf den Wert des eigenen konventionellen Kraftwerkparks im In- und Ausland verantwortlich. Doch die Krise geht viel tiefer. Immer mehr erneuerbare Energie, die von Millionen Bürgern selbst erzeugt wird, drängt die alten Kraftwerke aus dem Netz. Das war schon lange absehbar, aber die vier alten Energiebesatzungsmächte wollten es nicht sehen. Jetzt erst beginnen sie etwas von ihrem Ende zu ahnen – und jammern.

Zu Recht schreibt die Süddeutsche Zeitung: „Die Konzerne mit Zehntausenden Beschäftigten verlieren nach und nach ihr Geschäftsmodell“.

Die noch junge Branche der Erneuerbaren sieht insgesamt keine verlässlichen politischen Rahmenbedingungen. Frühere Zusagen an die Erneuerbaren wurden von der Politik vor allem zugunsten der alten Kohlewirtschaft wieder kassiert. Das Fehlen verlässlicher Rahmenbedingungen verunsichert natürlich Investoren und bremst jetzt den im Jahr 2.000 gut begonnenen Ausbau der Erneuerbaren Energieträger und den Fortschritt der Energiewende.

Am gefährlichsten innerhalb der Großen Koalition ist Horst Seehofers Schlingerkurs. Sein donnerndes dreifaches Nein erst zur Atomkraft, dann zum Windstromausbau in Bayern und jetzt schließlich auch noch zum Bau von Nord-Süd-Stromtrassen verstehe, wer will. Hauptsache dagegen war noch nie ein konstruktiver Beitrag zu einer vertrauenserweckenden Politik. Viel Taktik, keine Strategie – würde unser großer Vorkämpfer Hermann Scheer diese Politik kommentieren.

Misere der Energiekonzerne ist selbstgemacht - Greenpeace-Studie weist gravierende Managementfehler nach

Das Ergebnis einer umfangreichen Analyse von Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup und Prof. Dr. Ralf-Michael Marquardt von der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen im Auftrag der unabhängigen Umweltorganisation Greenpeace.

KLIMARETTER.INFO: Eon meldet Rekordverlust - Minus 3,2 Milliarden Euro: Nie hat ein Energiekonzern ein so schlechtes Geschäftsjahr hingelegt. Grund seien Milliarden­abschreibungen, argumentiert Konzernchef Teyssen. Aber die werden notwendig wegen einer verfehlten Geschäftspolitik.




(Autor: Franz Alt)


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