Stromausfälle: Sicherheit unserer Netze

16.03.15  14:30 | Artikel: 962475 | News-Artikel (Red)

Stromausfälle: Sicherheit unserer Netze
Wasserkraftwerke sind wichtige Einrichtungen.
Diese können nach einem Blackout das Netz
durch Ihre Schwarzstartfähigkeit wieder in
Betrieb nehmen.
Im Rahmen unseres Besuchs in der Netzleitstelle Esslingen der Netze BW hatten wir natürlich auch einen Blick auf das Thema Sicherheit. Lässt sich das System angreifen oder manipulieren? Ein paar Bewertungen.

Marc Elsberg hat uns in seinem Roman «Blackout» gezeigt, was passiert, wenn Angriffe auf das Stromnetz erfolgen. Dunkelheit, keine Kommunikation, die Wasserversorgung bricht zusammen, Krankheiten können sich ausbreiten, Chaos und Anarchie.

Natürlich war das ein konstruiertes Szenario, dass der Netzausfall in ganz Europa durch manipulierte intelligente Stromzähler erfolgen konnte. Doch die aufbauenden Entwicklungsschritte bei einem solchen Stromausfall sind durchaus Ernst zu nehmen. Dafür existieren durchaus entsprechende Notfallpläne sowohl bei den Netzbetreibern, als auch aus Landes- und Bundesebene.

Damit ein solches Szenario möglichst ausgeschlossen werden kann, wird viel in Sachen Sicherheit unternommen. Das Stromnetz gilt als besonders zu sichernde Infrastruktur und entsprechend hoch ist der Aufwand, dass die bösen Jungs es schwer haben, uns das Licht auszuschalten.

Die Leitstelle in Esslingen befindet sich beispielsweise in der 2. Etage. Diese kann man nur betreten, wenn die Chipkarte für diese Ebene freigeschaltet ist. Der Zugang über die Leitstelle selbst erfordert nochmal den Einsatz der Karte. Der Kreis der berechtigten Personen ist noch kleiner.

Fotos von Bildschirminhalten zu machen ist natürlich nicht erlaubt. Die abgebildeten Daten gelten zu Recht als Betriebsgeheimnis. Hier kann man Zusammenhänge und Abhängigkeiten der verschiedenen Stromleitungen erkennen.

Die Kommunikation zwischen den vier redundant ausgelegten Leitstellen erfolgt über eigene Glasfaserleitungen in Echtzeit. So sind auch die meisten Umspann- und Verteilstationen angebunden, die permanent Messdaten übertragen. Sensible Strommasten beispielsweise verfügen über eigene Alarm- und Meldeeinrichtungen. Unterbrechungsfreie Notstromversorgungen sind in jeder Einrichtung vorhanden.

Damit ist in Grundzügen schon mal ein direkter Angriff auf die Infrastruktur ausgeschlossen. Es gibt keinen Zugriff über das Internet, wo man sich elegant reinhacken könnte, was den effektivsten Schutz darstellt. «Baue keine Tür, dann kann sie nicht aufgebrochen werden».

Stuxnet hat uns gezeigt, das es trotzdem Möglichkeiten gibt. Da waren es USB-Sticks von Mitarbeitern. Aber stetige Mitarbeiterschulungen im Bereich Sicherheit sollten auch diese Form des Angriffes unmöglich machen.

Natürlich kann man Ausfälle provozieren. Dazu könnte man beispielsweise in einem Wohngebiet überraschend 50 Elektroautos laden. Damit dürfte der Verteiler für dieses Gebiet schon richtig in Wallung geraten oder sogar aufgeben. Doch damit ist ein Teilbereich weg, der sich jedoch nicht auf den Rest des Netzes auswirkt.

Auch einzelne Stromleitungen im Rahmen eines Anschlages auf die Infrastruktur wegzusprengen bringt eher selten einen kompletten Blackout mit sich. Dazu müsste man ein paar strategische Punkte finden. Diese allerdings unterliegen einer ständigen Veränderung, weil sich im Tagesverlauf die Auslastungen stark verändern. Somit könnte - wie bei vielen Szenarien - nur ein Insider den Job effektiv erledigen.

100 Prozent Sicherheit existieren natürlich nicht. Vor allem nicht in der IT-Welt. Auch beim Stromnetz sind ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, die verbessert werden können. Doch das kommunizieren wir direkt.





Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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