Frankreich: Strom ist nichts wert - und Energie ist kostbar

02.03.15  08:30 | Artikel: 962437 | News-Artikel (Red)

Frankreich: Strom ist nichts wert - und Energie ist kostbarEine Woche in Frankreich liegt hinter mir, bei der die Gelegenheit bestand ganz normale Bürger über das Thema Energie und Strom zu interviewen. Nicht wissenschaftlich und repräsentativ – sondern unvorbereitet und spontane Gespräche, die wahrscheinlich ehrlicher und offener sind, als alle Meinungsumfragen je sein können.

In Deutschland können wir stolz sein, lautet mein erstes Fazit, denn ich will nicht tauschen. Der Versuch einer Aufbereitung von sehr vielen Eindrücken.

Es ist uns allen bekannt, dass Frankreich eine große Atomnation ist. Strom und dessen Erzeugung ist den Bürgern so fern, wie dem Deutschen der Zusammenhang zwischen Burger und Rind. Eine auf den König ausgerichtete zentralistische Weltanschauung schreibt vor, dass ein Konzept wie eine Bürgerenergiewende eigentlich nicht existieren kann. Protest hat eine Richtung: Nach Paris, die Leiter nach oben. Die Energiepolitik macht hier keine Ausnahme.

Strom kommt in Frankreich aus der Steckdose, obwohl es mittlerweile auch ein Bewusstsein über so etwas wie Einspeisetarife gibt (vergleichbar mit EEG). Preislich zahlt der private Kleinverbraucher deutlich weniger, als in Deutschland. Energiesparen wird nicht mit Stromsparen in Verbindung gebracht.

Unisono bekomme ich die Story aufgetischt, dass jeder (meiner Gesprächspartner) bereits Verantwortung für die Personen übernimmt, die unter Energiearmut leiden. Als einige Kernkraftwerke im letzten Sommer in Revision gingen, gab es einen Aufruf die Klimaanlagen der Bürogebäude am Tage abzuschalten. Kernkraftwerke hätten schließlich eine durchgehende Erzeugungsmenge von Strom und am Tage wird für Computer und Produktion mehr Strom als in der Nacht verbraucht. Mit etwas Reue erinnere ich mich daran, dass ich meine grüne Bahncard letzten Sommer im Hotelzimmer gelassen hatte, damit die Klimaanlage weiter läuft.

Der Netzbetreiber ETF ist aus diesem Aufruf als (gefühlter) Held heraus gegangen, da er den Aufruf (scheinbar) veranlasst hatte. Eigenartig, in Deutschland denkt man so etwas wie Lastverschiebung würde nicht funktionieren, der Stromkunde kann nicht animiert werden. In Frankreich gibt zwar kein Demand-Responds, wohl aber ein ausgeprägtes Verständnis, dass Atomkraftwerke sehr unflexibel sind – und der Bürger mithelfen muss, wenn man weiter (wertlosen) Strom haben will.

Mit 320km/h geht es von Gar Est zurück nach Deutschland. In gerade einmal 1,5 Stunden überqueren wir die Netzentkopplungsstelle zwischen Forbach und Saarbrücken. An diesem Punkt werden die Bahnstromnetze voneinander getrennt, was für den Bahnfahrer lediglich daran erkennbar ist, dass der Strom auf den Steckdosen des Zuges kurz ausfällt. Ab jetzt wird wieder mit Ökostrom gefahren….




Autor: Thorsten Zoerner

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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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