Dezentrale Netzsteuerung sicherer als zentrale Strukturen

30.01.15  08:30 | Artikel: 962333 | News-Artikel (Red)

Dezentrale Netzsteuerung sicherer als zentrale StrukturenScinexx hat einen sehr interessanten Beitrag der Max-Planck-Gesellschaft veröffentlicht. Die Kernaussagen können mit Sicherheit bestätigt werden:

  • Zentrale Strukturen sind Anfällig
  • Dezentrale Intelligenz reguliert sich selbst und ist damit stabiler
  • Eine Kontrollinstanz beim Energieversorger ist unnötig.

Die Frage ist allerdings, warum gerade der Parameter Netzfrequenz verwendet wurde, welcher nur wenig mit den Schwierigkeiten im Netzbetrieb zu tun hat.

Generell kann man sagen, dass - bis auf wenige Ausnahmen – die Frequenz in Europa ständig schwankt, allerdings an jedem Ort, an jeder Steckdose die gleiche ist. Man spricht davon, dass die einzelnen nationalen Stromnetze (Regelzonen) synchron gefahren werden. Geht die Frequenz in Dänemark auf 49,9 Hz, dann wird sie mit Lichtgeschwindigkeit auch in Italien auf 49,9 Hz gehen.

Beeinflusst wird die Netzfrequenz durch die Menge an elektrischer Energie, die zu jedem Zeitpunkt in das Netz eingespeist wird. Entsprechend verändert sich die Netzfrequenz auch, sobald ein Verbraucher/Erzeuger eingeschaltet oder ausgeschaltet wird.

Die Netzfrequenz ist damit ein Indikator, dass die Balance aus Erzeugung und Verbrauch in der Waage ist. Die Herausforderung ist allerdings, dass sie nur wenig für eine dezentrale Steuerung nützlich ist.

Die Auswirkungen eines einzelnen Kühlschrankes (wie im Beitrag der MPG genannt) ist viel zu gering, als dass es nützlich sein könnte. Wechselrichter von PV-Anlagen synthetisieren ohnehin bereits die Netzfrequenz, wodurch ein sehr “schönes” Frequenzbild gegeben ist.

Im Beitrag Kosten der Stromlogistik wurden die sogenannten RONTs (regelbare Ortsnetztransformatoren) vorgestellt. Bei den Verteilnetzen stellt das Spannungsniveau eine Herausforderung da. Dezentrale und selbst optimierende Geräte können hier tatsächlich netzdienliche Aufgaben übernehmen.

Ein Kühlschrank kann über einen Zeitraum von mehreren Tagen den Spannungsverlauf im Netz überwachen und Zeiten mit relativ hoher/niedriger Spannung finden. Entsprechend können die Schaltzeiten des Kompressors optimiert werden. Bei viel Sonnenstrom gibt es dabei noch einen anderen cleveren Effekt: ein hohes Spannungsniveau wird bei vielen PV-Anlagen dann vorhanden sein, wenn die Sonne scheint – dann braucht man auch mehr Kühlung :)





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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