Kommentar: Die Serviceleistungen der Energieversorger

21.01.15  10:00 | Artikel: 962300 | News-Artikel (Red)

Kommentar: Die Serviceleistungen der EnergieversorgerAm Montag veröffentlichte die Unternehmensberatung Putz & Partner die Ergebnisse einer eigenen Umfrage in Sachen Stromanbieter-Wechsel. Die Zahlen als solche waren nicht sonderlich überraschend - die in der Pressemitteilung gemachten Aussagen haben mir jedoch zu denken gegeben.

Die Ergebnisse der Umfrage zur Wechselbereitschaft oder zum Anteil von Ökostromkunden sind nicht spektakulär. Diese decken sich mit anderen Studien, wie sie auch von Vergleichsportalen erstellt werden.

Exemplarisch sind mir zwei Formulierungen aufgefallen, die so eigentlich für einen Stromversorger eher unüblich sind.

«Bei der Auswahl des Stromanbieter sind der "gute Ruf" und die "Vertrauenswürdigkeit" des Unternehmens für 85 Prozent der Verbraucher die wichtigsten Kriterien.»
Quelle: PM Putz & Partner

Was kann ein Bürger sagen, wenn er nach dem "guten Ruf" eines Energieversorgers gefragt wird? Also mir persönlich fällt da kaum was ein. Vertrauenswürdigkeit wäre ja noch gegeben, wenn sich jemand an Zusagen hält, die z.b. telefonisch gemacht wurden. Aber wie Entscheiden Verbraucher, ob ein Unternehmen einen guten Ruf hat? Auf Grund von Fernsehwerbung, die nur heile Welt darstellt? Da fehlen mir ein wenig die Ideen und ich bitte um Aufklärung.

Die zweite Aussage finde ich auch nicht schlecht:
«Dr. Thomas Kuprat, Mitglied der Geschäftsleitung bei der PUTZ & PARTNER Unternehmensberatung AG: "Die Kunden erwarten von ihrem Versorger heute, dass dieser sich auf ihre Bedürfnisse und Wünsche einstellt und ihnen maßgeschneiderte Dienstleistungen anbietet."»
Quelle: PM Putz & Partner

Vielleicht habe ich den falschen Anbieter, aber welcher Versorger stellt mir denn, die für meine Bedürfnisse "maßgeschneiderten Dienstleistungen" zur Verfügung? Vorrangig kommt erstmal der Strom aus der Steckdose. Das ist bei Stromanbietern ja nicht unüblich, aber eben auch nicht maßgeschneidert. Die zweite Dienstleistung muss ich schon selbst erbringen; nämlich das Ablesen des Zählers und das Ausfüllen der Karte (alternativ online).

Das ist keine große Dienstleistungsauswahl. Schaut man auf die angebotenen Stromtarife, so hat ein Großteil der deutschen Anbieter im Extremfall eine Hanf voll zur Auswahl. Grundversorgung, Haushaltstarif oder Ökostrom. Wahlweise mit 12 oder 24 Monaten Laufzeit.

Das ist nicht die Befriedigung der von P&P angesprochenen Bedürfnisse und Wünsche. Nach meiner Erfahrung hat ein Energieversorger - und wir reden hier nur von Stromlieferanten - auch nicht mehr im Portfolio.

Dynamische-Stromtarife-AppellSpricht man diese z.B. auf Zeit- oder Last abhängige Tarife an, so hört man eigentlich immer nur das gleiche: das Schweigen im Walde.

Dynamische Tarife, die bei Smart-Home-Szenarien auch ohne eigene PV-Anlage optimal nutzbar wären, werden nicht angeboten. Hier zieht man sich ganz schnell zurück und verweist gerne auf den Gesetzgeber. Dieser blockiert jedoch nur, weil die großen Lobbygruppen diese auch genauso platziert hatten.
Sonst hätten wir auch eine ganze Reihe von Anbietern, die Smart-Meter anbieten würden, doch auch diese sind eher dünn gesät.

Auf Nachfrage, wie denn diese Aussagen gemeint wären, konnte die Pressestelle von P&P nicht weiterhelfen. Es wurde jedoch ein Telefonat mit Dr. Thomas Kuprat am Donnerstag nächster Woche vereinbart. Wir werden sehen, ob das zu konkreteren Aussagen führt.

Umfrage Wechselbereitschaft von Stromkunden 2015 (PDF)


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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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