Versorgungssicherheit

09.01.15  09:15 | Artikel: 962252 | News-Artikel (Red)

VersorgungssicherheitKein Mensch will heute oder in Zukunft schlecht versorgt sein. Das Bedürfnis der Risikominimierung zu befriedigen ist ein profitables Geschäftsfeld, dem vor allem die Versicherungen nachgehen. Bei selbiger Branche kann man auch sehr gut lernen, was passiert, wenn die Branchenexperten versuchen das Risiko der Bürger in Profit umzurechnen.

Beim Strommarkt für die Energiewende können Diskussionen und Warnungen der Experten vernommen werden, die sehr stark an die Zeit vor der Riester-Rente erinnern. 12 Jahre nach der Einführung der 3. Säule der Altersversorgung sind die Profiteure und die Auswirkungen auf der Versorgungssicherheit bekannt.

Arbeitsgruppe 1:
“Versorgungssicherheit und Marktdesign”

Wie soll der Strommarkt gestaltet sein, damit dieser bei wachsenden Anteilen von Wind- und Sonnenstrom eine zuverlässige, möglichst kosteneffiziente und umweltverträgliche Stromversorgung sicherstellt? Um diese Frage mit den relevanten Akteuren zu diskutieren, hat das Bundeswirtschaftsministerium ein neues Dialogforum gegründet: die Plattform Strommarkt.
(Quelle: BundeswirtschaftsMinisterium)

Das aktuelle Strommarkt-Design reguliert die Stilllegung von größeren Kraftwerken über die Reservekraftwerksverordnung (ResKV). Dabei wird vereinfacht im Falle einer geplanten Betriebsaufgabe von den Übertragungsnetzbetreibern das Risiko eingeschätzt und entsprechend entschieden. Sinnvoll hinsichtlich einer Risikominimierung ist eine Distribution des Ausfallrisikos auf kleinere Einheiten. Rein von der Wahrscheinlichkeitsrechnung wird das Risiko eines vollständigen Systemversagens damit deutlich minimiert.

Am Beispiel des Block-C Kraftwerk Hamm lässt sich recht gut erkennen, dass die bestehende Regulierung unzureichend ist das Niveau der Versorgungssicherheit zu steigern. Der Kraftwerks-Block C soll ab April 2015 in die sogenannte Kaltreserve überführt werden, wobei im letzten Betriebshalbjahr die Zuverlässigkeit des Blocks nicht den marktüblichen Werten entspricht.

DatumGrund der Leistungseinschränkung
30.09.2014Technischer Defekt
13.10.2014Technischer Defekt
17.10.2014Technischer Defekt
23.10.2014Technischer Defekt
25.10.2014Technischer Defekt
26.10.2014Technischer Defekt
09.11.2014Revision
21.11.2014Technischer Defekt
07.12.2014Revision
09.12.2014Technischer Defekt
13.12.2014Technischer Defekt
26.12.2014Technischer Defekt

Die Bundesnetzagentur teilt auf Anfrage mit:

Kraftwerksbetreiber, deren Anlagen zur Sicherung der Versorgungssicherheit durch einen systemverantwortlichen Netzbetreiber im Rahmen der sog. Netzreserve herangezogen werden, erhalten eine Vergütung.

Leider kann man bei den ungeplanten Ausfällen in Hamm nicht von einem Einzelfall sprechen. Im Rahmen der sogenannten Urgent-Market-Messages sind die Betreiber von größeren Kraftwerken verpflichtet, eine ungeplante Leistungseinschränkung zu melden. Im Referenzjahr 2014 ist dabei eine klare Tendenz erkennbar.



Für den Beginn des Jahres 2015 ergibt sich eine ungeplante Nichtverfügbarkeit für Stromerzeugung aus Steinkohle von 25% der kommerziell genutzten Kapazitäten. Um diese eine 99,5% Versorgungssicherheit einer einzelnen Anlage sicherzustellen, muss 133% der Leistung vorgehalten werden. Zu berücksichtigen ist, dass dieser Idealwert nur für eine Co-Location gilt. Beim Ziel einer hohen Versorgungssicherheit sind allerdings auch die Ausfälle in der Stromlogistik zu berücksichtigen. Von den 261 Abweichungen in der Merit Oder Liste der Minutenreserve wird 98 mal die Netzseite als Begründung genannt.

Wirtschaftlich sinnvoller ist es kleine Erzeugungseinrichtungen in der Fläche zu verteilen. Dadurch lässt sich insgesamt der Aufwand für die Stromlogistik reduzieren und die Versorgungssicherheit des gesamten Systems erhöhen.

Fazit für den Hybridstrommarkt
Versorgungssicherheit mit elektrischer Energie ist eines der wichtigsten Güter einer industriellen Gesellschaft. In einer Marktwirtschaft geht vom Käufer eine Signalwirkung aus, die zu einer direkten Kontrolle der Zuverlässigkeit führt. Beim Teil der Kapazitätsmiete muss es im Falle einer ungeplanten Nichtverfügbarkeit zu einer Minderlieferung kommen, die für den Kunden als zusätzlich benötigte Ausgleichenergie (Leistungsmarkt) ersichtlich ist. Nur so erhält der Kunde die Möglichkeit seine martwirtschaftliche Kontrollfunktion auszuüben.

Für den Leistungsmarkt (Energy-Only) wird festgestellt, dass er per Defintion über die Preisfunktion eine hohe Versorgungssicherheit gewährleistet.





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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