Die Gänsebratenspitze - oder warum die industrielle Stromnachfrage besser ist als die private

23.12.14  11:12 | Artikel: 962226 | News-Artikel (Red)

Die Gänsebratenspitze - oder warum die industrielle Stromnachfrage besser ist als die private
Bild: Jürgen Howaldt
In wenigen Tagen ist es wieder so weit, die Weihnachtsgänse kommen auf den Speiseplan und lösen ein Ereignis aus, welches im Jahre 2009 als das Gänsebraten-Phänomen bezeichnet wurde (Bild-Zeitung). Gemeint ist eine Nachfragespitze nach elektrischer Energie um die Mittagszeit des ersten und zweiten Weihnachtsfeiertages, welche mal eintritt ... mal aber auch nicht.

Geringer Stromverbrauch von der Industrie, bei unsicherem Stromverbrauch von den privaten Haushalten, bringt so manchen Netzbetreiber ins Grübeln, dabei hätte man schon vor einigen Jahren gegenlenken können.

Jammern ist billiger…

In einem Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt immer soviel Strom eingespeist werden, wie zum gleichen Zeitpunkt entnommen wird. Damit diese Balance gehalten wird, kommen verschiedene Mechanismen zum Einsatz. Zeitlich gesehen ist die Netzfrequenz das letzte Steuerelement, welche bei einer Änderung mit Hilfe der sogenannten Regelenergie ein Gleichgewicht herstellt.

Zeitlich deutlich vorher hat jedoch der Handel und der Strommarkt einen entscheidenden Beitrag, dass die grundlegenden Parameter stimmen. Man geht davon aus, dass die sogenannten Bilanzkreisverantwortlichen rechtzeitig im Voraus die Nachfrage ihrer Kunden kennen und entsprechend auf dem Markt eingekauft haben.

Eine Antwort liefern allerdings die Stromnetze selbst. Auf den Seiten der Übertragungsnetzbetreiber lässt sich die Systemlast abrufen. Parallel ist bekannt, welche Menge Strom für die privaten Stromkunden eingespeist wird. Berechnet wird diese Strommenge durch die Anzahl der Haushalte in Deutschland (=40,1 Millionen) bei gegebenem Durchschnittsverbrauch (=3050KWh/Jahr).

Zieht man von der vertikalen Systemlast die Haushaltsstrom-Abnahme ab, so bleibt kaum noch anderer Stromverbrauch übrig.

Die Gänsebratenspitze ist weniger ein Problem, dass sehr viel Strom verbraucht wird – es ist ein Problem, da dieser Strom nicht durch den Markt/Handel bereits in Balance gebracht werden konnte. Wie man am Modell des dezentralen Leistungsmarktes des BDEW und VKU erkennen kann, jammert man auch in den kommenden Jahren lieber, als der Gänsebratenspitze ihre Mediale Schärfe zu nehmen. Schlagzeilen mit Bestandteilen des Weihnachtsmenüs sind nun mal auch eine Form der PR stimulierten Werbung.

Hybridstrommarkt? Bei diesem Design des Strommarktes kann es durch die deutlich flexibleren Gestaltung der Erzeugungs/Verbrauchs Balance eine Gänsebratenspitze geben, aber dies ist dann vorhersehbar.




Autor: Thorsten Zoerner

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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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