Netzentwicklung, Kupferplatte und die Wirklichkeit

07.11.14  09:00 | Artikel: 962055 | News-Artikel (Red)

Netzentwicklung, Kupferplatte und die WirklichkeitDer Titel des Bildes zum Beitrag lautet “ReDispatch Eier”. Es entsteht, wenn man auf der Visualisierung der ReDispatches der letzten 30 Tage die Zoom-Stufe um 1 erhöht und zeigt, in welchen Gebieten zu viel Strom erzeugt wurde, um es über das Netz zu transportieren (und in welchen relativ zu wenig).

Stromhändler sind gerne blau, denn dies sind Gebiete, bei denen ein Mangel existiert. Ungeliebt sind die roten Gebiete – hier ist das Angebot zu groß. Zu groß, um durch das Netz transportiert zu werden – so kommt man zum Netzentwicklungsplan (NEP).

Frank Ambross schreibt bei Stromautobahn.de:

“Der Stromhandel wird im Netzentwicklungsplan bestätigt” … “Es geht um grenzüberschreitenden Handel mit unseren östlichen Nachbarn, die gigantische Anteile von Kohlestrom im Strommix haben (Polen ca. 75 Prozent, wenn man Braun- und Steinkohle zusammenzählt) und/oder neue Atomkraftwerke planen, wie beispielsweise erst in der letzten Woche aus Tschechien berichtet.”

Bevor man den internationalen Stromfluss im Verbundnetz anschaut, ein Blick auf Deutschland. Der Netzentwicklungsplan 2014 wurde unlängst durch die Netzbetreiber aktualisiert und soll die nationale Infrastruktur für die Zukunft rüsten. Dies hat zunächst einmal nichts mit Strom aus Wind und Sonne zu tun, sondern basiert auf die Frage der Wirtschaftlichkeit.

Der Stromhandel rechnet generell damit, dass Deutschland eine Kupferplatte ist. Dies bedeutet, dass es einem Händler egal ist, wo in das Stromnetz der Strom eingespeist – und wo verbraucht wird.

Da es auch eine Zeit gab, in der Deutschland geteilt war, gab es theoretisch auch zwei Stromnetze mit nur wenigen Kuppelstellen. Vergleichbar mit zwei Fischernetzen, die man lediglich an einigen Fäden verbindet 25 Jahre nach dem Mauerfall hat sich nicht sehr viel an dieser Situation geändert. Nur der Stromhandel: Der kennt nur ein Deutschland.

Der Stromhandel bestimmt die sogenannten Fahrpläne der Kraftwerke (=welches Kraftwerk speist wann, wie viel Strom zu welchem Preis ein). Stellt der Netzbetreiber fest, dass das Stromnetz den Fahrplan nicht erfüllen kann, da an einer Stelle die Einspeisemenge höher ist, als das Netz es transportieren kann, dann löst er einen sogenannten Re-Dispatch aus (vergl. weitere Beiträge bei blog.stromhaltig zum Thema).

Den Stromhändlern ist es relativ egal, sie haben ihr Schnäppchen bereits gemacht, die Kosten für den ReDispatch trägt die Gemeinschaft der Letztverbraucher: Alle Stromkunden über die Netzentgelte. Die Visualisierung zeigt die Unvollkommenheit der Kupferplatte.

“Vattenfall plant den Braunkohle-Ausstieg” (schreibt N-TV)

Wahrscheinlich hat der schwedische Staatskonzern gemerkt, dass irgendwann in der Zukunft der Stromkunde in Deutschland sich die Frage stellt, warum Industriekunden immer weniger zahlen, der Börsenstrompreis im Keller ist – und die Stromrechnung immer teurer wird. Die Redispatch Eier werden von den Kraftwerken des Unternehmens ausgebrütet.

Für die Netzentwicklung in Deutschland gibt es auch eine ökonomische Lösung: Strom, der in einem roten Gebiet erzeugt wird, der muss die Kosten für den Redispatch zahlen. Wahrscheinlich ist dies aber ein zu wirtschaftsfreundlicher und liberaler Vorschlag.





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Kapazitätsmärkte | EEG

Schlagworte:

Netzentwicklung (25) | Visualisierung (5) | ReDispatches (2) | Stromhandel (17) | Kohlestrom (7)