Tricks der Energieversorger: Schnäppchen mit Tütenstrom und Co. (2/2)

06.11.14  10:30 | Artikel: 962021 | Proteus Fach-Artikel

Tricks der Energieversorger: Schnäppchen mit Tütenstrom und Co. (2/2)Kaum ein Stromkunde weiß, wie Energieversorger arbeiten. Deshalb möchten wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen und auf triviale und flapsige Weise erklären, wie Energieversorger den Strommarkt manipulieren und damit Geld verdienen könnten.

Der zweite Teil von Tütenstrom und Co.


»Aha, aber was ist denn Ausgleichsenergie?«

»Na, wie der Name schon sagt, hat das was mit Ausgleichen zu tun. Unser Stromnetz funktioniert nur dann richtig, wenn genau so viel an Strom produziert wird, wie benötigt bzw. abgenommen wird. Wenn jetzt plötzlich extrem mehr oder weniger benötigt wird als die Kraftwerke gerade produzieren, dann greift die Ausgleichsenergie. Diese gibt es als positive und als negative. Benötigen die Verbraucher auf ein Mal extrem weniger Strom, dann muss dafür gesorgt werden, dass die überschüssige Energie irgendwo abgenommen wird. Das können große Batteriespeicher sein oder auch einfach mehrere Tausend Tauchsieder, die wir in Spaichingen ins Freibadbecken halten und warmes Wasser produzieren.«

»(lacht) Das wäre ja mal eine Geschäftsidee ...«

»Positive Ausgleichsenergie kommt hauptsächlich aus Kraftwerken, die extrem schnell Leistung zur Verfügung stellen können. Hier kannst du das mal nachlesen: Regelleistung oder: das Eier-Problem

»Aber kommen wir zum Trick: Wer Ausgleichsenergie anbieten kann, bekommt für gewöhnlich für den gelieferten Strom beachtlich mehr, als den normalen Preis.«

Roswita Wehrle-Edelbach
Bild:GLady
»Lass mich mal raten, jetzt kommt Roswita wieder ins Spiel?«

»Oder auch Elisabeth ... genau.«

»Hallo Bruno! Wollte mal nach dem Monatsbericht fragen ...«
»Ja Chefin, schick ich im Laufe des Tages durch ... mir geht's gerade bloß nicht so gut.«
»Wieso, was hast du denn?«
»Na irgendwie den Magen verdorben, renne schon alle paar Minuten ... du weist schon wohin.«
»Oh du Armer. Aber weist du was? Kurier dich doch einfach aus und mach solange das Kraftwerk aus.«
»Äh? Chefin, geht's noch? Wir fahren mit knapp 80 Prozent«
»Ja und? Mach dich mal locker, die Leistung kann auch der Kollege Siggi übernehmen. Wir machen einen Re-Dispatch! Und das ist jetzt eine dienstliche Anweisung. Dafür bekommst du dann auch richtig Kohle.«
»Toll, die kann ich dann verheizen ...«
»Mensch Bruno! Euros, nicht Kohle...«
»Na gut, du musst es ja wissen. In 30 Minuten sind wir dann weg und ich auch.«
»Ok Bruno, gute Besserung.«

...

»Siggi! Ich brauch dich heute«
»Ja Rosi, wofür denn?«
»Fahr deinen Laden mal hoch, bis die Kessel glühen. Wir brauchen auf die schnelle mal ein paar Hundert Megawatt.«
»Ok, geht klar, aber was ist passiert?«
»Der Laden von Bruno ist ausgefallen...«
»Naja, kann passieren, da steckt man halt nicht drin.«
»Wie schnell brauchst du es denn?«
»So in einer halben Stunde wäre ganz prima«
»Ok, Rosi, geht klar.«


»So Emil, hast du verstanden, was da abgeht?«

»Na klar, beide Kraftwerke gehören einem Unternehmen und wegen so einer Kleinigkeit fahren Sie das eine Kraftwerk runter, um mit dem anderen über die Ausgleichsenergie ein Schweinegeld zu machen ... ist schon ein cooler Trick. Fällt denn das nicht auf?«

»Kaum, wer soll kontrollieren? Und außerdem könnte man Bruno ja zum Arzt schicken und er bekommt nen gelben Schein ...«

05.11.14: Tricks der Energieversorger: Schnäppchen mit Tütenstrom und Co. (1/2)



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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