Mit Windkraft das Netz stabilisieren (und Geld sparen)

21.10.14  08:30 | Artikel: 962007 | News-Artikel (Red)

Mit Windkraft das Netz stabilisieren (und Geld sparen)
Bild: LoggaWiggler
Das Stromnetz kann nur dann stabil betrieben werden, wenn sämtliche Systemdienstleistungen ordentlich erbracht werden.

Eine dieser Dienstleistungen ist die negative Sekundär-Regelleistung (NEG_SRL).

Genutzt wird diese, wenn der Verbrauch geringer ist, als geplant und die Netzfrequenz dadurch erhöht (über 50 Herz) liegt.

Anbieter mit Erzeugungseinrichtungen für Strom, die reduzieren können, erhalten dann Geld dafür, dass sie ihre Einspeisung zurückfahren.

In Baden-Württemberg hätte sich in den ersten beiden Wochen des Oktobers der Einstieg in das Geschäft mit NEG_SRL gelohnt. Fast 19% hätten allein durch Windkraft erbracht werden können.

Die Vergütung, die ein Anbieter für negative Regelleistung erhält, wird durch Auktion bestimmt. Dabei sind die Ergebnisse durchaus über den Beträgen, die sonst in der Direktvermarktung erzielt werden können.

ProduktnameMittlerer Leistungspreis [€/MW]Grenzleistungspreis [€/MW]
NEG_HT117,92317,00
NEG_NT222,70622,00

(Quelle: Transparenz Seite der Übertragungsnetzbetreiber)

Baden-Württemberg 1.10.-15.10.2014
Nach Angaben des zuständigen Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW wurden im genannten Zeitraum insgesamt 45.048 MWh abgerufen. Aus Windenergieanlagen stand zeitgleich (15 Minuten Werte) 8.418 MWh zur Verfügung (Quelle).

Dank moderner Fernwirktechnik haben Windenergieanlagen die Möglichkeit sehr kurzfristig aus dem Wind gedreht zu werden und so bei der Stabilisierung des Stromnetzes behilflich zu sein. Der Stadtwerkeverbund Trianel hatte 2013 dies bereits getestet, bei TransnetBW folgte für Baden-Württemberg im Juni 2014 ein Test.

Kritik
Man könnte nun argumentieren, dass es keinen Grund gibt, dass man Windkraftanlagen abschaltet, wenn zur gleichen Zeit ein Kohlekraftwerk weiter CO2 emittiert. Diese Argumentation ist allerdings grundlegend falsch, denn wie viel jedes Kraftwerk zu einem Zeitpunkt erzeugt ist abhängig vom Markt und dem geschätzten Verbrauch.

Kein Stromlieferant würde mehr Strom einkaufen, als er tatsächlich an seine Kunden liefern kann (unwirtschaftlich). Es wird sogar versucht durch Optimierungen den Verbrauch besser zu schätzen und somit den Einkauf von zuviel Strom zu vermeiden. Stimmt Verbrauch und Prognose allerdings nicht überein, so muss der Verteilnetzbetreiber dafür negative Regelleistung einkaufen – und hat damit Kosten.

Die negative Sekundärregelleistung ist hingegen Frequenzgetriggert. D.h. der Markt – und damit der Fahrplan der Kraftwerke – ist zum Zeitpunkt des Abrufs bereits Vergangenheit.

Um noch ein Tupfen auf das i zu setzen. Theoretisch kann der Betreiber eines Windparks sowohl seine Erzeugung verkaufen, als auch im Moment des SRL-Abrufs die Stromerzeugung reduzieren.

Nennen wir es freundlich: Doppelverdiener




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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