Ungeplante Nichtverfügbarkeiten und die überlaufende Badewanne im Herbst

13.10.14  11:07 | Artikel: 961987 | News-Artikel (Red)

Ungeplante Nichtverfügbarkeiten und die überlaufende Badewanne im Herbst
Bild: ed_davad
Autos, Flugzeuge und auch Kraftwerke sind im Prinzip nichts anderes als komplexe Maschine, die sich aus Millionen von Einzelteilen zusammensetzen. Jedes Bauteil hat eine maximale Dauer, bevor es ermüdet und letztendlich versagt.

Durch sogenannte Vorausschauende Wartung (engl: Predictive Maintenance) versucht man dem Defekt zuvor zu kommen und tauscht das Teil aus, bevor es ermüdet.

Beim Auto geschieht dies im Rahmen des Kundendienstes. Bei einem Kraftwerk parallel zu den geplanten Revisionen/Abschaltungen.

Wird ein Bauteil ausgetauscht, dann ist die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Materialversagens am Anfang recht hoch – und natürlich am Ende (vergl. Wikipedia “Ausfallverteilung“). Zeichnet man diese Verteilung auf einer Kurve auf, so sieht diese ähnlich einer Badewanne aus (mit zwei Rändern).



Wie bereits berichtet steigt aktuell die Ausfallrate deutlich an. Deutlich stärker, als in den vergangenen Jahren. Hauptverursacher sind Kraftwerke mit dem Energieträger Steinkohle. Ein Effekt, der zumindest zum Teil durch die Badewannenkurve erklärt werden kann.

Ausfallkurven der einzelnen Energieträger


In den Sommermonaten haben viele Unternehmen Betriebsferien. Die Produktion wird heruntergefahren, wodurch auch der Bedarf an Strom insgesamt zurück geht. Zeit, um eine geplante Wartung oder Revision bei einem Teil der Kraftwerke durchzuführen.

Im Herbst, nach den Revisionen, ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls höher, als in den Wintermonaten. Bei der 3 Jahres-Grafik für die Steinkohle-Verstromung kann man diesen Effekt sehr schön sehen. Ein erneuter Spitzenwert wird kurz vor der nächsten Revision erreicht (Monate März/April).

Soweit das Lehrbuch – Schaut man zum Beispiel die Auswertung der Stromerzeugung aus Gas an, ergeben sich sehr viel längere Zyklen, die sich zumindest aktuell auf einem rückläufigen Niveau befinden. Dies ist in sofern nicht weiter verwunderlich, da das Komplexitätsniveau eines Gaskraftwerks deutlich geringer ist, als die anderen Kraftwerkstypen.

Bleibt zum Abschluss noch ein Blick auf die Braunkohlekraftwerke. Von diesem Kraftwerkstypus gibt es deutlich weniger aktive Blöcke, als bei den anderen Erzeugungsarten. Die 3 Jahres-Auswertung zeigt einen fast gleichmäßigen Verlauf des 30-Tagesschnitts.





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



Themenbereiche:

Netze | Kraftwerke | Infrastruktur

Schlagworte:

Nichtverfügbarkeiten (6) | Wartung (7) | Steinkohle (19) | Revision | Kraftwerke (69)