kritische Infrastruktur: Schutz vor Hackern immer schwieriger

20.08.14  10:01 | Artikel: 961841 | News-Artikel (Red)

kritische Infrastruktur: Schutz vor Hackern immer schwierigerGerade einmal zwei Tage hat Felix Lindner benötigt, um in die Steuerung der Stadtwerke Ettlingen einzudringen, so der O-Ton des Beitrages im ZDF Heute-Journal vom 18.08.2014.

Die IT abzusichern fällt den Betreibern immer schwieriger, was auch der zuständige Übertragungsnetzbetreiber für die Hauptstadt (50 Hertz Transmission) feststellen muss.

Sicherheit in der Informationstechnologie ist ein heikles Thema, denn im Gegensatz zu den Strommarkt-Terroristen sind die Quellen für Hackerangriffe auf ein viel größeres Spektrum ausgelegt und in der Praxis bereits erprobt. Im Mai dieses Jahres hatte ein Beitrag bei ZDF Zoom gezeigt, dass es immer Türen gibt in SCADA Systeme einzudringen (blog.stromhaltig berichtete).

Zentrale Steuerung als Kernproblem

Im aktuellen Beitrag ist das Gästehaus die Schwachstelle, welches ebenfalls am Netz der Stadtwerke zu hängen scheint. Ist der Zugriff erst einmal vorhanden, so kommt man theoretisch bis zur nächsten Schranke. In zentralistisch organisierten Systemen wie dem traditionellen Stromnetz ein ernstes Problem, denn wieso beim kleinen Hausanschluss anfangen, wenn man 18 Millionen Stromanschlüsse bei einem Übertragungsnetzbetreiber bekommen kann.

Lindner meint im Beitrag, dass in den vergangenen Jahren zuwenig in die Forschung zur Sicherheit der Stromnetze investiert wurde. Dabei gibt das ehemalige Forschungs- und Verteidigungsnetz ARPA (heute kurz Internet genannt) die besten Strukturen bereits vor.

Zwei Rechner im “Internet” kommunizieren auch dann noch, wenn sie vollständig von der Außenwelt abgeschnitten sind. Zwei Verteilnetze in Deutschland haben diese Fähigkeiten nicht.

Die Stromwende könnte hier helfen, verlagert sie doch viel mehr Intelligenz von zentralen Großkraftwerken auf kleine Stromerzeugungseinheiten. Die Erzeugung folgt dem lokalen Verbrauch. Machbar ist dies allerdings nur, wenn die entsprechenden Leitlinien auch politisch gesetzt werden.

Eine Möglichkeit ist die Entwicklung von Szenarien zur Inselbildung. Ein marktwirtschaftlicher Anreiz existiert für diese Entwicklung nicht, auch wenn der volkswirtschaftliche Schaden im Falle eines Angriffs enorm sein dürfte.




Autor: Thorsten Zoerner

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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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