in eigener Sache: Dummheit stirbt nicht aus

01.08.14  09:45 | Artikel: 961758 | News-Artikel (Red)

in eigener Sache: Dummheit stirbt nicht aus
Bild: Waugsberg
3Texte im Netz unterliegen dem Urheberrecht; das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Als Betreiber einer Website sollte man mit diesem Konzept vertraut sein. Aber so mancher macht durch Ignoranz aus einer Mücke einen Elefanten. Eine eigene Geschichte.

Im Januar 2014 fand ich einen Text auf einer Website, der von mir verfasst worden ist. Allerdings hatte der Betreiber dieser Website keinerlei Vereinbarung zur Nutzung dieses Textes.

Da der Firmeninhaber im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig ist, nennen wir ihn einfach mal «Ökoschweinchen Schlau».

Unter normalen Umständen greife ich in so einem Fall zum Telefon und versuche die Sache schnell und unbürokratisch zu klären; das passiert ein paar Mal pro Jahr.

Nun hat aber das eifrige «Ökoschweinchen Schlau» nicht nur einen kompletten Nachrichtenartikel im Volltext kopiert sondern auch noch die enthaltenen Bilder und sogar die Autoren-Kurzbeschreibung (siehe unten), so dass man hätte meinen können, ich würde explizit für diese Website schreiben.

Daher schickte ich dem Unternehmen eine Rechnung über 77,35 EUR (65,00 EUR netto) nebst dem Hinweis auf die Urheberrechtsverletzung und die Aufforderung zur Entfernung der Autoren-Kurzbeschreibung. Im Falle der Zahlung wäre die Nutzung des Artikel-Textes legalisiert.

Erstaunt war ich dann ein paar Tage später: Mein Text war von «Ökoschweinchen Schlau» entfernt worden, aber dort stand nun eine persönliche Ansprache, dass man sich mit mir in Verbindung setzen wolle ...

Screenshot zum Urteil 3C152-14

Gemeldet hat sich allerdings niemand.

So ging Mitte Februar 2014 dann eine Mahnung raus. Und obwohl ich «Ökoschweinchen Schlau» darauf hinwies, dass die Rechtsfolgen unangenehm und vor allem teurer werden können, blieb diese unbeachtet.

Anfang März reichten wir (Proteus Solutions GbR) dann beim Amtsgericht Tuttlingen Klage gegen «Ökoschweinchen Schlau» ein. Der Streitwert wurde jetzt mit 350,00 EUR angesetzt, was in etwa dem Wert des Artikels (ohne Bilder) nach dem Branchenindex entspricht.

Die Verletzung meines Persönlichkeitsrechtes durch Nutzung meines Fotos hatte ich ausgeklammert und nicht weiter verfolgt.

Die zugestellte Klageschrift wurde dann von «Ökoschweinchen Schlau» mit einem sehr merkwürdigen Brief an das Gericht beantwortet:

Screenshot zum Urteil 3C152-14

«Ökoschweinchen Schlau» widerspricht und bittet um Fristverlängerung. - Was für zusätzliche Unterlagen beigebracht werden sollten, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Und weitere vier Wochen, um diese einem Anwalt vorzulegen? Muss ja eine mächtige Überlastung sein.

Aber wie schon erwartet: es kamen keine Unterlagen und «Ökoschweinchen Schlau» beauftragte auch keinen Anwalt, so dass das Gericht dann auf Grund der aktuellen Sachlage zu entscheiden hatte.

Vor ein paar Tagen kam dann das Urteil des Amtsgerichts Tuttlingen. «Ökoschweinchen Schlau» wird nun zur Zahlung von 350,00 EUR verurteilt und muss auch noch die Kosten des Rechtsstreites zahlen. Ob sich das gelohnt hat?

Mit ein klein wenig Nachdenken oder einem Telefonat oder ersatzweise mit Zahlung von 77,35 EUR wäre das Problem aus der Welt gewesen. Jetzt sind es mehr als 500,00 EUR, die die illegale Verwendung meines Artikels nach sich zieht.


Wie gesagt - Dummheit stirbt nicht aus!




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



Themenbereiche:

Urheberrecht | Klage | Proteus

Schlagworte:

Dummheit | Urheberrecht (16) | Ökoschweinchen Schlau | Urteil (24) | 3C152/14