Geld verdienen mit nichts tun. Kapazitätsmarkt im Sinne des VKU

20.06.14  10:30 | Artikel: 961630 | News-Artikel (Red)

Geld verdienen mit nichts tun. Kapazitätsmarkt im Sinne des VKUNach Angabe des Neuen Deutschlands hat der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) bereits sehr konkrete Vorstellungen, wie man sich im Strommarkt bezahlen lassen könnte, ohne eine Leistung in das Netz abgeben zu müssen:

Die Anbieter gesicherter Kraftwerksleistung erhalten von den regional tätigen Netzbetreibern Zertifikate, deren Menge sich an der Nachfrage der Großkunden und Stromhändler richtet. Die Erlöse der Zertifikate ergibt sich aus der Differenz zwischen bereitgehaltener Leistung und Stromverkauf.

Ein teures Unterfangen für Stromkunden, denn lediglich das Vorhalten von Leistung würde zur Gelddruckmaschine der Stadtwerke werden. Der Wert dieser Zertifikate ist ein zusätzlicher Kostenfaktor, der sich auf der Stromrechnung niederschlagen wird, der aktuell nicht vorhanden ist.

Der Stadtwerkeverbund unterstreicht seine Forderung mit ein paar sehr interessanten Aussagen, die auf Basis von anderen Quellen nicht unbedingt belegbar sind.

Basis des Berichtes ist die Fortführung einer Studie des Enervis aus dem März 2013 zum integrierten Energiemarktdesign (kurz iMED), die im Auftrag des VKU erstellt worden ist. Ziel der Studie scheint es eine Maximierung des Ertrages der kommunalen Kraftwerke zu erreichen. Erreicht wird dies durch den Aufbau eines neuen Wertmodells in Form eines Kapazitätsmarktes. Zugang zu diesem Kapazitätsmarkt haben lediglich (fossile?) Kraftwerke aus dem Angebot der Stadtwerke. Energiegenossenschaften oder Bürgerkraftwerken bleibt der Zugang zum Markt verschlossen.

Schaut man sich die Statistiken des europäischen Verbundnetzes (ENTSOe) an, so stellt man schnell fest, dass Deutschland aktuell ein Meister im Export ist. Ein klares Indiz für Überkapazitäten, welches erst einmal nicht schlimm ist…

Außerdem wären teure Nettoimporte aus dem Ausland überflüssig.

Meint die Studie. Teure Nettoimporte aus dem Ausland? Die Daten des Statistischen Bundesamtes sprechen eine andere Sprache. Wie bereits im Mai beschrieben, zahlt man in Deutschland für importieren Strom weniger als für exportieren. Gut, wenn man da einen Exportüberschuss hat.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass man zwar in den ersten 3 Jahren eine kleine Mehrbelastung hat, danach aber eine Entlastung von 8-12€ pro Jahr und Haushalt. Die Mehrbelastung in den ersten drei Jahren wird nicht beziffert, aber rechnet man mit 10€ pro Jahr – insgesamt also 30€, dann kommt man allein durch den Rückgang der EEG-Umlage in den kommenden Jahren auf eine Entlastung von 30€-40€ pro Jahr und Haushalt.

VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck sieht indes positive Signale: So werden im Bundeswirtschaftsministerium drei Prüfgutachten zum Thema erstellt. Auch die Bundesnetzagentur hat sich dafür ausgesprochen.

Einige Aussagen aus dem Beitrag zu den Netzentgelten werden dadurch verständlicher. Hier wirkt die Arbeit von regierungsnahen Beratern.

Den Stammleser mag es vielleicht langweilen, aber auch für diesen Vorschlag ist der Hybridstrommarkt die bessere Alternative.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Stromhandel

Schlagworte:

Kapazitätsmarkt (38) | VKU (6) | Strommarkt (81) | Stromverkauf | Kostenfaktor (2) | Stromrechnung (20) | Energiemarktdesign (5)