3,2,1 ... Strompreis powered by Kohlestrom

17.06.14  09:19 | Artikel: 961617 | News-Artikel (Red)

3,2,1 ... Strompreis powered by Kohlestrom
Braunkohlekraftwerk
Bild: wobogre
3Geht es um die Kosten, die für die Erzeugung von elektrischer Energie angesetzt werden, so gibt es einen magischen Punkt, um den sich sehr vielen Mythen ranken: Die sogenannten Grenzkosten, der Preis, der erzielt werden muss, um die Brennstoffkosten zu tragen. Ab diesem Verkaufspreis für Strom, macht der Betreiber einen positiven Deckungsbeitrag.

Da die Grenzkosten für flexible Gaskraftwerke sehr hoch sind, kommen diese entsprechend der Merit Order erst bei stärkerer Nachfrage – und damit steigendem Strompreis – zum Einsatz. Unflexible Kohlekraftwerke können dagegen bis zu einem relativ niedrigen Strompreis rentabel betrieben werden.

Mit Hilfe eines Online Rechners für Grenzkosten kann man ermitteln, wie teuer die variablen Kosten (Brennstoffkosten) für eine Kilo-Watt-Stunde Strom aus einem heutigen Kohlekraftwerk ist. Man kann sehen, dass es zwei wichtige Parameter gibt:

  1. Brennstoffkosten (ca. 85€/Tonne)
  2. Wirkungsgrad (je nach Anlage: 30%-45%)

Der Wirkungsgrad gibt an, wie Brennstoff für eine Einheit “Strom” benötigt wird. Bei einem Wirkungsgrad von 50% rechnet Siemens mit 288g Kohle pro Kilowattstunde. Ein Rückgang oder Anstieg des Kohlepreises wirkt sich ebenfalls linear auf die Grenzkosten eines Kraftwerkes aus.

Durch den Online Rechner kann man verschiedene Szenarien verproben und den entsprechenden Grenzkostenpreis ermitteln. Auffallend ist dabei, dass sich die Preise an der Strombörse entlang dieses Preises entwickeln. Dadurch können ein paar sehr interessante Zusammenhänge ermittelt werden.

Mythos Erneuerbare als Preisdrücker
Flexible Kraftwerke werden in einem Markt, bei der ein Energieträger Überkapazitäten besitzt nicht zum Zuge kommen. Diese Kraftwerke müssen daher ihr Angebot auf einem anderen Markt – in einer anderen Auktion – anbieten.

Der Ausweich Markt für Gaskraftwerke ist aktuell das Angebot von Regelenergie. Dieser Markt ist aber nicht dafür gedacht, dass es ein sehr großes Handelsvolumen gibt. Der Strommarkt der Regelleistung ist geschaffen, um unvorhergesehene Abweichungen im Verbrauch abzufedern.

EEG-Umlage und Börsenstrompreis
Ein Teil der EEG-Umlage berechnet sich auf Basis des Börsenstrompreises. Das als EEG-Paradoxon bekannte Phänomen entsteht, da der größte Teil des EEG-Storm an der Börse verkauft werden muss. Geht der Börsenpreis nach unten, so gehen die Erlöse der Übertragungsnetzbetreiber zurück. Da die Übertragungsnetzbetreiber den Anlagenbetreiber eine feste Summe zahlen müssen, wird die Differenz aus dem Börsenstrompreis und der Zahlungsverpflichtung durch die EEG-Umlage gezahlt. Ein Rückgang des Börsenstrompreises sorgt damit für einen Anstieg der EEG-Umlage.

Vereinfacht kann man sagen, dass die Grenzkosten der Kohlekraftwerke die Höhe der EEG-Umlage bestimmen.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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