Ausschreibungsmodell für Photovoltaik-Freiflächenanlagen

23.05.14  08:00 | Artikel: 961549 | News-Artikel (Red)

Ausschreibungsmodell für Photovoltaik-FreiflächenanlagenDiesen Freitag ist es soweit, die EEG-Novelle 2014 steht im Bundesrat zur Debatte, nachdem sie vor zwei Wochen im Bundestag gelesen wurden (blog.stromhaltig berichtete).

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums unter der Leitung von Sigmar Gabriel (SPD), ist die Schaffung eines Ausschreibungusmodells für die Förderung von Stromerzeugung aus Erneuerbaren Quellen bis 2017 der wichtigsten Werkzeuge zur Kontrolle der Kostenseite der Stromwende. Ein Vorhaben, welches von Fachleuten eher skeptisch beäugt wird.

Ab 2017 soll die Förderhöhe dann über Ausschreibungen ermittelt werden; im reformierten EEG werden dazu zunächst die Grundlagen für ein Ausschreibungsmodell für Photovoltaik-Freiflächenanlagen geschaffen. (Quelle: BMWi)


Wie funktionieren eigentlich Ausschreibungen?
Jemand braucht etwas und fragt an einem Markt nach, wer dies für welchen Preis leisten kann. Es bekommt der Bieter den Zuschlag, der in der Lage ist, den günstigsten Preis zu nennen. Wendet man dieses sehr einfache Beschreibung auf den Ausbau von Erneuerbaren Stromquellen an, so könnte die Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel 10.000 MWp pro Jahr an Photovoltaik benötigen (entspricht in etwa dem Bedarf, der notwendig ist um die Mittagsspitze des Stromverbrauchs halbwegs abzufedern). Jetzt können Anbieter ein Angebot abgegeben, wie viel diese für welchen Preis bauen können. Die günstigsten Angebote erhalten den Zuschlag, bis 10.000 MWp gebaut werden.

Justus Haucap kommentiert im ET Magazin:

Auch ein Ausschreibungsansatz ist dabei noch immer relativ planwirtschaftlich geprägt, da ein Zubau an erneuerbaren Energien nur durch öffentliche „Bestellung“ erfolgt und einer öffentlichen Planung unterliegt. Eine unternehmerische Eigeninitiative zur Vermarktung „grünen Stroms“ wäre in dem System zwar nicht prinzipiell ausgeschlossen, jedoch wären die Anreize dafür gering.

Zugebaut, was nun? – Die Probleme der Marktintegration werden damit nicht gelöst und verhindern sogar eher das Entstehen eines aktiven Hybridmarktes für den mündigen Stromkunden.

Schaden für die Kleinen

Das IZES kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass gerade die kleineren Anbieter durch ein Ausschreibungsmodell benachteiligt würden. BIZZ Energy Today berichtet dazu:

An einer Ausschreibung könnten demnach nur Bieter teilnehmen, die sich den Aufwand der Vorarbeiten leisten können. Andere hätten „mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Chance zur Marktteilnahme“, so die Studie.

Tatsächlich entstehen die meisten Wind und Solarprojekte auf Basis von Bürgerinitiativen, die in geselliger Runde entstehen und langsam zu einem Projekt reifen. Das Ausschreibungsmodell steht dazu im Widerspruch, da es den Vorsatz zum Erhalt eines Auftrags voraussetzt. Dies funktioniert bei Großbauprojekten wie den Stuttgarter Bahnhof, oder den Berliner Flughafen vielleicht, aber nicht bei Bürgergruppen, die (auch) andere Ziele verfolgen, wie möglichst viele Ausschreibungen zu gewinnen. Es fehlt schlicht die notwendige Industrialisierung bei der Geschäftsführung von Bürgerprojekten.

Die IZES Studie kommt zu dem Schluss, dass die Kostenvorteile nicht einmal nachgewiesen werden können. Klimaretter.info kommentiert die Studie:

Die Beispiel Frankreich, Niederlande und Brasilien zeigen nach Ansicht der Autoren, dass das Auktionsmodell wesentlich teurer werden könne als das System der festen Einspeisevergütung, dass die Umsetzungsrate oft weit hinter den Ansprüchen zurückbleibe und das Modell außerdem zu mehr Bürokratie führe.

Man könnte dagegen halten, dass die Ausschreibungspflicht mit Sicherheit auch im Jahre 2017 eine Bagatellgrenze haben wird, so dass der Bau von Kleinanlagen nicht unter diesen Deckel fällt. Allerdings ist eine solche Grenze eine künstliche Zahl, die meist keine rationale Wirksamkeit hat, sondern vielmehr die bestehenden Gruppen künstlich spaltet. Vielleicht beabsichtigt, denn kleine Gruppe = kleine Macht.

Ausschreibungen – eigentlich nichts neues
Ausschreibungsmodelle gibt es in der Energiewirtschaft einige und haben sich theoretisch sogar bewehrt, allerdings sind sie eine Eingangshürde für Anbieter/Betreiber von Anlagen, die zunächst überwunden werden will. Ein bürokratischer Akt, der in einem Business Plan erst einmal berücksichtigt werden will. Bei der Finanzierung von Projekten ist somit die Frage, welche Bank ein Darlehen verspricht, wenn unklar bleibt, ob das Projekt überhaupt zustande kommt. Wer bereits ein größeres Finanz-Polster hat, dem kann dies egal sein.

Schaut man sich die bestehenden Ausschreibungen und deren Gewinner an, so sieht man, wie sich diese These sehr schnell bestätigt. Ausschreibungen im Strommarkt gibt es aktuell zum Beispiel für die Regelenergie oder die Verlustenergie. Erst durch Bündelung von vielen Anlagen gelingt es Anbietern wie den Next-Kraftwerken im Regelenergiemarkt anzubieten.





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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