Fraunhofer ISI: Energieintensive Industrie finanziert die Energiewende

13.05.14  10:50 | Artikel: 961508 | News-Artikel (e)

Fraunhofer ISI: Energieintensive Industrie finanziert die EnergiewendeTrotz Ausnahmeregelungen: Energieintensive Industrie in Deutschland zahlt derzeit mitunter am meisten für den Ausbau Erneuerbarer Energien

Die Förderung des Ausbaus Erneuerbarer Energien (EE) führt in Deutschland zu steigenden Umlagen für alle Endverbraucher. Um die internationale und intermodale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen energieintensiven Industrie nicht zu stark zu strapazieren, wurden Ausnahmeregelungen für die Zahlung der EE-Umlage eingeführt. Diese entlasten zwar die energieintensive Industrie, belasten aber verstärkt die nichtprivilegierten Endverbraucher. Ein am 7. Mai 2014 im Bundeskabinett beschlossener Gesetzesentwurf legt neue Ökostrom-Rabatte fest und verschärft die Kriterien für Vergünstigungen der Industrie, damit sich die Belastungen für Privatverbraucher in Grenzen halten.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie haben das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und das Beratungsunternehmen Ecofys in mehreren Ländern die Strompreiskomponenten und ihre Privilegierungsregeln beispielhaft für ein großes energieintensives Unternehmen und für ein mittelständisches Unternehmen untersucht sowie die absoluten Strompreise miteinander verglichen. Im Vergleich zu den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich sowie zu den US-Bundesstaaten Pennsylvania und Texas zahlen deutsche energieintensive Unternehmen absolut gesehen mitunter die höchste EE-Umlage, obwohl sie theoretisch die größte Privilegierung bei der EE-Umlage genießen.

Deutlich niedriger ist der Börsenpreis in den USA, wo andere Marktregeln herrschen und die Brennstoffpreise niedriger sind. Diese Abweichungen im Preis sind zu einem großen Teil geographisch sowie ressourcenbedingt und durch staatliche Eingriffe nicht zu kompensieren - weder bei großen noch bei mittelständischen Unternehmen.

Bei mittelständischen Unternehmen wie dem beispielhaft untersuchten Textilunternehmen spielen Steuern und Gebühren eine deutlich größere Rolle. Trotz der höchsten EE-Umlage-Zahlung in dieser Unternehmensklasse arbeiten deutsche Unternehmen im Durchschnitt mit ähnlich hohen Strompreisen wie ihre niederländischen Kollegen. Die französischen Preise liegen niedriger, die britischen etwas höher.

Laut Studie würde eine Veränderung der Ausnahmeregelungen im Bereich der EE-Umlage auf 20 Prozent der vollen Umlage würde die Belastung dieser Beispielunternehmen kaum verändern. Im neuen Gesetzesentwurf zur besonderen Ausgleichsregelung verbleibt die Privilegierungsschwelle jedoch bei einer Gigawattstunde Stromverbrauch. „Damit zahlen auch unter der neuen Regelung kleine Stromverbraucher wie KMU weiterhin die höchstmögliche Umlage“, so Breitschopf. Der Wettbewerbsnachteil für kleine und mittlere Unternehmen durch hohe Stromkosten bleibt damit auch unter der neuen Regelung bestehen.

Ausgehend von den ersten Ergebnissen der Studie untersucht das Fraunhofer ISI zusammen mit Ecofys als nächstes, welche Auswirkungen die Abschaffung beziehungsweise Reduzierung der Ausnahmeregelungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland haben wird.

Die Studienergebnisse können unter www.isi.fraunhofer.de/isi... heruntergeladen werden.




(Quelle: Fraunhofer ISI )


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