Stiftung für Atomkraft?

13.05.14  09:50 | Artikel: 961506 | News-Artikel (Red)

Stiftung für Atomkraft?Nach Bericht des Spiegels wollen drei der vier großen Stromkonzerne in Deutschland ihre Atomkraftwerke in eine öffentlich-rechtliche Stiftung umwandeln und so an den Staat quasi verschenken. Warum jetzt?

Mit Sicherheit liegt es nicht an den Demonstrationen gegen Atomkraft, die am Wochenende stattgefunden haben (blog.stromhaltig berichtete). Viel mehr dürfte es an einem massiven Bedeutungsverlust liegen.

Die Stromversorgung in einem industrialisierten Land ist ein Teil der Daseinsvorsorge, die zumindest durch die Politik gesichert werden muss. Ist die Stromversorgung nicht vorhanden, oder instabil, so entstehen wirtschaftliche Schäden, die kaum zu beziffern sind. Daraus entwickelt sich ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis – und damit auch ein Druckmittel.

Wahrscheinlich wird es niemals ausgesprochen, aber eine bestimmte Art der Stromerzeugung wird es immer solange gehen, wie sie benötigt wird. Benötigt nicht nur von der Industrie, denn das Arbeitsplatzargument wirkt nicht so stark, wie man manchmal denkt – benötigt vor allem von den privaten Stromkunden. Genau das wird die Atomkraft seit etwa 2 Jahren nicht mehr.

In der Mitte 2012 hat der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik in Deutschland einen Punkt überschritten, bei dem es zumindest zeitweise eine Vollversorgung der privaten Haushalte gab. Heute im Jahre 2014 ist es es fast ohne Speicher möglich die Bürger mit Strom aus Wind und Sonne voll zu versorgen.

Beispiel 10.05.2014 - 100% EE-Vollversorgung

Lediglich 2 GWh Arbeit mussten in den Abendstunden des vergangenen Samstags aus anderen Quellen erzeugt werden, um die Nachfrage der Bürger an elektrischer Energie vollständig aus Wind/Sonne zu befriedigen.

Anbetracht von 9,2 GW Pumspeicherkapazität, kann man sich leicht vorstellen, was man mit den 145 GWh Überschuss, die am gleichen Tag erzeugt wurden hätte machen können.

Das Messer Versorgungssicherheit ist für die verbliebenen Kraftwerksbetreiber stumpf geworden. Entsprechend ist klar, dass es keinen Markt mehr geben wird und nun das Ende des Produktlebenszyklus “Atomenergie” angebrochen ist.

Das die Idee von Erpressung nicht sonderlich fern ist, zeigt ein Abschnitt im Spiegelbericht:

Bei einer Einigung über die Stiftung wären die Strombosse nach Informationen des SPIEGEL möglicherweise bereit, die eine oder andere Klage zurückzuziehen oder auf Schadensersatz zu verzichten.

Um 15 Mrd. Euro geht es scheinbar, die diese Klagen den Steuerzahler kosten könnten. Ein schlechter Tausch, wenn man sich die Kosten anschaut, die mit Endlagerung und Co. bei der Atomkraft noch auf das Land zukommen.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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