Hintergrund und Kommentar: Eigenverbrauch von Solarstrom

29.04.14  10:00 | Artikel: 961458 | News-Artikel (Red)

Hintergrund und Kommentar: Eigenverbrauch von SolarstromDie Solarstrombranche setzt auf den Eigenverbrauch und sieht dort die Zukunft

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Eigenverbrauch von Solarstrom

Der echte Eigenverbrauch ist von Umlagen und Steuern befreit. Der Einkaufspreis ist somit gleich mit der Einspeisevergütung. Dies gilt nur dann, wenn der Eigenverbraucher auch Inhaber der Erzeugungsanlage ist. Dies ist eine vereinfachte Aussage, denn es gibt im Markt auch Pacht- oder Leasingmodelle von Erzeugungsanlagen, die einem Eigentum gleichgestellt sind. Die rechtlichen Konstruktionen sind komplex und es ist absehbar, dass die Politik reagiert und reguliert. Die EEG Novelle 2014 möchte für den echten Eigenverbrauch eine verringerte EEG Umlage einführen, um auch diese Anlagenbetreiber an den Kosten der Energiewende zu beteiligen. Gegen diese Regelung kämpft die Solarlobby, doch bis zum 01.08.2014 gilt die alte Regelung, die nicht angetastet werden soll. Wer jetzt investiert, sichert sich Vorteile.

Im unechten Eigenverbrauch sind die Vertragspartner oftmals wirtschaftlichen Überlegungen verpflichtet. Der Lieferant möchte seine Marge erhöhen und der Kunde möchte preiswert einkaufen. Nur wenn diese entgegengesetzten Interessen für beide Vertragspartner passen, kommt es zum Vertrag, der nach spätestens 2 Jahren neu verhandelt werden muss, weil der Verbraucherschutz eine Frist von maximal 2 Jahren vorsieht. In zwei Jahren sind die Investition für eigene Netze und Messeinrichtungen selten refinanziert, denn die Nutzungsdauer eines Netzes beträgt mindestens 10 Jahre. Ist der Solarstrompreis für den Abnehmer uninteressant und dieser wechselt vom Solarstrom zu einem anderen Anbieter, dann bleibt der Solarstromerzeuger auf seinem Strom und seinen Netzbaukosten sitzen oder muss den neuen Lieferanten auf Kosten seiner eigenen Wirtschaftlichkeit unterbieten.

Marktpotential für Eigenverbrauchsanlagen

Ich postuliere, dass in der selbst genutzten Immobilie das größte Marktpotential vorhanden ist. Ein weiteres signifikantes Marktpotential vermute ich bei kleinen und mittleren Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen mit eigenen Dachflächen und Gewerbegrundstücken. Die Praxis zeigt, dass viele Eigenverbrauchsanlagen an der geringen Marge scheitern, der vertragliche und wirtschaftliche Aufwand für viele Anbieter zu hoch ist und die Einspeisevergütung als einfache und sichere Variante bevorzugt wird. Erst wenn der Preis weiter steigt und die Marge größer wird, werden sich neue Marktpotentiale ergeben. Bis dahin, so wünsche ich es mir, muss die deute Solarwirtschaft im Ausland Geschäfte machen, denn es gibt stark wachsende Märkte mit einem großen Potential.




Autor: Roger Kanzenbach

Dipl.-Ing. (TU) Roger Kanzenbach arbeitet in der Immobilienbranche als Energieberater, Planungsingenieur und Projektmanager und engagiert sich aktiv für die Energiewende. Er ist via LinkedIn und Twitter (@RogerKanzenbach) zu erreichen.



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