Die Steinkohleumlage

14.04.14  11:00 | Artikel: 961411 | News-Artikel (Red)

Die SteinkohleumlageIn Deutschland gibt es 75 Steinkohlekraftwerke (Blöcke) mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren. Insgesamt stellen diese Kraftwerke eine Nettokapazität von 22,6 GW zur Verfügung. Mit 3.550 Volllaststunden werden 80,2 TWh Arbeit (elektrische Energie) in das Stromnetz eingespeist. Dies entspricht in etwa dem Jahres Stromverbrauch von 21,11 Millionen Haushalten.

Wie hoch würde eine Umlage aussehen, die den Bau dieser Kraftwerke finanzieren würde? Für den Zubau von Wind und Sonnenenergie zahlen wir aktuell 2,54 Cent je kWh (Quelle Statista).

In der Hauptstadt des Badenlandes, Karlsruhe, wird der Kraftwerksblock 8 im Rheinhafen gebaut. Die Kosten hierfür belaufen sich auf ca. 1 Mrd. Euro für 912 MW Kapazität (Quelle Wikipedia). Zur Vereinfachung ist dies 1 Mrd für 0,912 GW. Der Neubau von 22,6 GW würde demnach etwa 24,78 Mrd Euro kosten. Auf 20 Jahre aufgeteilt (wie bei den Erneuerbaren), müssten pro Jahr 1,239 Mrd. Euro umgelegt werden auf den Stromverbrauch. Ca. 480 TWh werden als Vollzahler angesehen, was auf die KWh umgerechnet 0,25 Cent betragen würde, die notwendig sind um die Investitionskosten zu decken.

Bei Strom aus Wind und Sonne könnte man bei der Berechnung der Umlage an dieser Stelle aufhören, da der Energieträger selbst keine Kosten verursacht. Bei einem Steinkohlekraftwerk wird die Energie allerdings erst nutzbar, wenn der Primärenergieträger zugegeben wird. Je nach Quelle werden Verbrauchsmengen von etwa 324 Tonnen je GWh angegeben. Diese können natürlich je nach Wirkungsgrad des Kraftwerkes nach oben und unten abweichen.

Zum Erzielen von 80,2 TWh Arbeit im Jahr werden somit in Deutschland jedes Jahr 25.984.800 Tonnen Steinkohle zur Stromerzeugung benötigt. Vernachlässigt man die Kosten für die Aufbereitung des Rohstoffes, die vor der Verfeuerung notwendig ist, so kommt man den Marktpreis von ~80€/Tonne als Grundlage verwenden. Die jährlichen Kosten für die Bereitstellung der Kapazität betragen somit etwas mehr als zwei Milliarden Euro. Umgelegt auf die Vollzahler 0,42 Cent je KWh.

Steinkohleumlage: 0,67 Cent je KWh
Würden mit einer Steinkohleumlage die gleichen Kosten gedeckt werden, wie bei Strom aus Wind und Sonne, so würden die Einnahmen der Kraftwerksbetreiber deutlich geringer ausfallen, als sie dies aktuell sind. Über den Handel kann bislang mindestens 2,5 Cent – meist deutlich darüber – erlöst werden.

Ein Modell für die Reform des Strommarktes hätte es auch sein können, den Strommix von Deutschland vollständig über Umlagen zu steuern. Dies ist unrealistisch, da es einer Planwirtschaft und nicht einer Marktwirtschaft entspricht. Durch die Ausbaukorridore bei Sonne und Wind wird dieses Weg allerdings bereits einige Jahre gegangen.

Résumé der Berechnung
Die Grenzkosten, die unterschritten werden müssen, um eine Verdrängung aus dem Markt zu erreichen liegen bei der Steinkohle deutlich niedriger als gedacht.

Durch die künstliche Aufblähung der EEG-Zahlungen wird eine Stromwende bereits heute verlangsamt und verteuert.

In einer Planwirtschaft könnte der Strompreis deutlich günstiger sein. In Frankreich sieht man dies, auch wenn dort Atomkraft weiterhin ein Thema ist.

Die aktuellen Börsenstrompreise geben den Steinkohlekraftwerken genügend Bestandsschutz.





Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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