Basiswissen - Mein Stromzähler gehört ... ja, wem eigentlich?

27.02.14  10:00 | Artikel: 961249 | Proteus Fach-Artikel

Basiswissen - Mein Stromzähler gehört ... ja, wem eigentlich?In meinem letzten Beitrag Der Weg des Stroms - vom Kraftwerk bis zur Steckdose hatte ich im letzten Teil den Stromzähler erwähnt und die damit verbundene Möglichkeit, den sog. Messstellenbetrieb auch an einen externen Anbieter zu vergeben. Auf meiner eigenen Stromrechnung, die ich exemplarisch herangezogen hatte, tauchten drei Beträge auf, die mit dem Zähler zu tun haben. Aber was steckt dahinter?

Wie bereits angekündigt, hat Netz-Experte Thorsten Zoerner mit dem Artikel Der Stromfluss des Geldes so einige Kosten und Abgaben näher beschrieben, die auf der eigenen Stromrechnung auftauchen. Doch die Schwierigkeiten und Geldflüsse in Bezug auf den Messstellenbetrieb sollten nochmals detailliert dargestellt werden.

Logo-EVFVorab muss ich mich an dieser Stelle für die ausführlichen Informationen bedanken, die mir unser Stromanbieter
- die Energieversorgung Filstal (EVF) -
in verschiedenen Telefonaten vermitteln konnte.
Kaum ein Stromanbieter kann mit solch hoher Geduld und Fachkompetenz aufwarten.

Doch zurück zum Thema.

Durch § 21b EnWG ist geregelt, dass ein Verbraucher auch ein externes Unternehmen als Messstellenbetreiber (MSB) beauftragen kann, anstatt dies traditionell von seinem Netzbetreiber übernehmen zu lassen.

Normalerweise stellt ja der lokale Netzbetreiber (der im Regelfall auch MSB ist) jedem Haushalt einen Stromzähler zur Verfügung. Da ein Haushaltskunde jedoch keinen Vertrag mit dem MSB hat sondern mit einem Stromlieferanten, stellt dieser Stromlieferant die Kosten für den Messstellenbetrieb - die er auch beim Messstellenbetreiber bezahlen muss - dem Kunden in Rechnung.

Dabei werden insgesamt üblicherweise drei Positionen in Rechnung gestellt:
(die Zahlen beziehen sich hier exemplarisch auf unsere eigene Stromrechnung)

Der Messstellenbetrieb (21,64 €)

Hier berechnet der MSB - als Eigentümer des verbauten Stromzählers - quasi eine Miete für den Zähler. Die Kosten dafür variieren in Abhängigkeit der Bauart des eingesetzten Zählers (klassischer Ferraris-Zähler, intelligenter Stromzähler) und die Art der Messung (z.B. Eintarif- oder Zweitarifzählung).
Außerdem ist der MSB für die Wartung und den fehlerfreien Betrieb des Zählers verantwortlich.

Für unsere veröffentlichten Zahlen erhielten wir von der EVF die genaue Aufschlüsselung der Kosten:

Die Entgelte für den Messstellenbetrieb für Ihren [...] Stromzähler setzen sich [...] zusammen aus dem Entgelt Messstellenbetrieb Zweitarifzählung netto 12,19 €/a und dem Entgelt für die Tarifschaltung zu netto 9,45 €/a und ergeben somit die Entgelte für den Messstellenbetrieb i.H.v. netto 21,64 €/a, die an den Messstellenbetreiber abzuführen sind.
(vgl. Netznutzungsentgelte EnBW 2013 / Seite 23)

Die Ablesung (Messung) (2,41 €)

Zaehlermann
Kaum noch bekannt:

Der Mann zum Ablesen
des Stromzählers
Früher wurde einmal im Jahr der Zähler durch einen Mitarbeiter des MSB abgelesen. Diese Praxis hat sich in den letzten Jahren verändert und der Kunde muss seinen Zählerstand selbst ablesen und seinem Stromversorger mitteilen. Trotzdem bedeutet das Bearbeiten der eingehenden Zählerstände für den Stromanbieter eine Aufwand, der bezahlt werden muss.

Im Falle von elektronischen Zählern werden üblicherweise die Daten vom MSB ausgelesen und dann an den Stromlieferanten übermittelt.

Der Betrag von 2,41 € stellt dabei eine Mischkalkulation dar; nicht jeder Kunde reagiert immer gleich auf die Aufforderung den Zähler abzulesen oder die Zählerstände sind auch mal falsch abgeschrieben worden. Dann muss eben nachgefragt werden.

Dazu nochmal die EVF:
Es werden nicht jedem Kunden die Kosten für die Ablesung [...] nach Aufwand berechnet, sondern der [...] Messstellenbetreiber stellt einen Pauschalpreis in Rechnung, der sich durch den Gesamtaufwand ermittelt und als Messkosten mit netto 2,41 €/a anfallen.
(vgl. Netznutzungsentgelte EnBW 2013 / Seite 23)

Die Abrechnung (13,06 €)

Aus den Zählerständen erstellt der MSB dann eine Abrechnung. Dahinter steckt allerdings noch ein wenig mehr. So definiert der Netzbetreiber (Netze BW GmbH) die Abrechnung:

Die Entgelte für die Abrechnung beinhalten die Leistungen Plausibilisierung der Messdaten, ggf. Ersatzwertbildung, die kaufmännische Bearbeitung der Zählerdaten, die Abrechnung, das Forderungsmanagement für die Netznutzung sowie die Archivierung der Daten.

Damit ist die Abrechnung nicht nur eine einfache Fakturierung sondern es steht schon ein wenig mehr Aufwand dahinter.

Die für unsere Rechnung gültige Aufschlüsselung wird von der EVF wie folgt angegeben:
Die Kosten der Abrechnung setzen sich wie folgt zusammen: Aus dem Grundpreis Abrechnung netto 4,66 €/a und der Abrechnung netto 8,40 €/a und ergeben somit die Abrechnungskosten i.H.v. netto 13,06 €/a, die an den Netzbetreiber abzuführen sind.
(vgl. Netznutzungsentgelte EnBW 2013 / Seite 23, Definition der Abrechnungskosten / Seite 12)

Zusammenfassung

Wechselt man nun den Messstellenbetreiber, so ergibt sich im Normalfall kaum eine Änderung. Auch der externe MSB wird seine individuellen Kosten an den Stromlieferanten weitergeben und dieser wiederum seinem Kunden in Rechnung stellen, was üblicherweise jedoch im Rahmen des monatlichen Grundpreises erfolgt.

Nur wenn man einen Vertrag mit einem Messstellenbetreiber schließt, in dem der Endkunde diese Beträge direkt an den MSB zahlt, dann sollte man mit seinem Stromlieferanten Kontakt aufnehmen, da es sonst eben zu unnötigen Mehrkosten kommt (Grundpreis bleibt gleich).

Das hier beschriebene Szenario stellt den Regelfall dar. Abweichungen, bedingt durch den Einsatz von intelligenten Stromzählern, verschieben teilweise die Prozesse etwas. Auch könnte man der Meinung sein, dass durch die zunehmende Automatisierung die Kosten eher niedriger werden sollten. Der Aufwand für die Infrastruktur und die Datenspeicherung bzw. -archivierung ist jedoch teilweise erheblich. So hält beispielsweise die EnBw für unseren früheren - gerade inaktiven Vertrag - immer noch die gesamten Zählerstände und Verbrauchsdaten der letzten Jahre vor und stellt diese online zur Verfügung.

Die Kosten für den Messstellenbetrieb - die eben in der monatlichen Grundgebühr des Stromlieferanten enthalten sind - haben jedoch nichts mit den eigentlichen Strompreisen zu tun, wie von einigen Lesern vermutet bzw. unterstellt wurde.

Warum die flächendeckende Einführung der Smart Meter nur langsam vonstatten geht, werden wir in einem separaten Artikel beleuchten.


Verweise / Anlagen: Netznutzungsentgelte EnBW 2013


Anbei die verwendeten Zahlen an Hand unserer eigenen Rechnung:

Stromrechnung Proteus 2013


In Verbindung stehende Artikel zur EVF:

31.10.13: Stromversorger: EVF senkt Strompreise
31.10.12: Stromanbieter: ein Wechsel lohnt sich oft



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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