Privatsphäre - wer braucht denn so was?

27.01.14  08:00 | Artikel: 961163 | News-Artikel (Red)

Privatsphäre - wer braucht denn so was?Am 1. Februar 2014 ist ›Internationaler Tag der Privatsphäre‹. Ein guter Anlass, sich daran zu erinnern, was das Wort ›Privatsphäre‹ eigentlich bedeutet – oder was es einmal bedeutet hat.

›Privatsphäre‹ zu haben ist ein Recht, das man für sich in Anspruch nimmt. Das Recht, selbst darüber zu entscheiden, was man anderen gegenüber von sich preisgeben will. Das Recht, selbst eine Linie zu ziehen, wenn es darum geht, sein Leben mit all seinen Gewohnheiten, Höhen und Tiefen, Gedanken, Gefühlen und Handlungen offen zu legen. Das Recht zu sagen:

»Es reicht. Das ist privat. Das geht nur mich etwas an.«

Aus diesem Grund hängen wir Gardinen vor die Fenster, kleben unsere Briefe zu oder erzählen nicht jedem Fremden auf der Straße von einem Problem, das wir gerade haben und warum wir jetzt dieses oder jenes Medikament nehmen müssen.

Menschen brauchen diese Möglichkeit, Geheimnisse vor anderen zu haben. Jeder von uns braucht einen geschützten Raum, in dem er sich selbst ausleben, in dem er ›er selbst‹ sein kann.

Nein, die gesamte Argumentation für – scheinbare – Sicherheit durch anlasslose Überwachung basiert auf einem grundlegenden Missverständnis: Privatsphäre ist kein Recht, das dem Menschen großzügigerweise gewährt wird – sie ist ein Recht, das jeder hat. Als Teil seiner Würde, als Teil seiner Freiheit. Jeder bestimmt für sich selbst die Grenze, was und wieviel er wem gegenüber davon preisgeben will – solange er niemand anderen schädigt.

Diese Grenze willkürlich im Rahmen von sogenannten ›Antiterrorgesetzen‹ zu Gunsten einer Totalüberwachung im Namen einer angeblich effizienteren Strafverfolgung vorzugeben, verstößt gegen unsere Freiheit und Grundrechte. Es macht einen Unterschied, ob ich jemandem etwas erzählen möchte, oder ob ich es muss – im schlimmsten Fall ohne davon zu wissen.

Um Morgen noch dieses Recht des selbstbestimmten Lebens zu haben, müssen wir es schon Heute für uns beanspruchen. Wir müssen uns dagegen wehren, dass dieses Recht in unserem Namen umgedeutet und zu einer allgemeinen ›Auskunftspflicht‹ gegenüber staatlichen Institutionen gemacht wird.

Dies würde nämlich bedeuten, dass jeder als potenzieller Verbrecher betrachtet – und behandelt – wird, der nicht auf seine Privatsphäre verzichten und seine Lebensgewohnheiten offenlegen will. Sind wir Verbrecher, weil wir uns nicht überwachen lassen wollen? Sicher nicht. Wir wollen nur unser Recht. Und wir wollen Herr über unsere eigenen Entscheidungen sein.

Da unsere Regierung dies ganz offenbar nicht akzeptiert, müssen wir sie immer wieder an unser Recht auf Privatsphäre zu erinnern. Aus diesem Grund finden am 1. Februar in zahlreichen Städten Aktionen und Demonstrationen statt. Lasst uns diese Gelegenheit ergreifen, für unsere Privatsphäre einzustehen und durch unsere Teilnahme und Unterstützung deutlich machen, dass wir auch morgen noch die Möglichkeit haben wollen, über die Preisgabe unserer Meinungen, Hoffnungen, Ängste und Gefühle selbst zu entscheiden.

Und wer trotz der verfahrenen Situation vorher noch ein bisschen Spaß haben möchte, der kann – wieder einmal – bei Richard Gutjahr klicken.




(Autor: Piratenpartei Deutschland)


Themenbereiche:

Datenschutz | Sicherheit | Zensur

Schlagworte:

Datenschutzerklärung (4) | Privatsphäre (16) | Zensur (18)