Wissenschaftlicher Beirat beim BMWi - Schwarz wie Kohle?

15.11.13  13:38 | Artikel: 956129 | News-Artikel (Red)

Wissenschaftlicher Beirat beim BMWi - Schwarz wie Kohle?Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hat heute das Gutachten «Langfristige Steuerung der Versorgungssicherheit im Stromsektor» veröffentlicht. Kohle wird scheinbar bevorzugt. Kam der Auftrag aus der Industrie?

Der Wissenschaftliche Beirat äußert in seinem aktuellen Gutachten Zweifel, ob das jetzige Strommarktdesign auch langfristig ausreichende Kapazitäten für eine sichere Stromversorgung garantieren könne.

In einer Pressemitteilung des BMWi heißt es:

Da Strom derzeit nicht in großen Mengen effizient speicherbar sei, würden konventionelle Kraftwerke weiterhin gebraucht. Der durch das EEG geförderte Ausbau der erneuerbaren Energien senke jedoch die Bereitschaft, in konventionelle Kraftwerke zu investieren und könne den weiteren Betrieb bestehender Anlagen gefährden. Um langfristig Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird daher ein zentraler Kapazitätsmarkt empfohlen. Kritisch sieht der Beirat hingegen eine strategische Reserve sowie andere 'selektive' Kapazitätsmechanismen, da diese höhere Stromkosten nach sich zögen. Eine sichere Stromversorgung ist Grundvoraussetzung dafür, dass die deutsche Wirtschaft leistungs- und wettbewerbsfähig bleibt.

Die angesprochene Wettbewerbsfähigkeit scheint sich jedoch nur auf die Kohle verheizende Industrie zu beziehen. Auf der anderen Seite gibt es nämlich durchaus genügend Kapazitäten, die die Versorgungssicherheit gewährleisten können - wenn man denn nur will, denn die Kohlekraftwerke scheinen bessere Gewinne zu produzieren.

In der Online-Ausgabe der Photovoltaik.eu heisst es unter der Überschrift
«Neues Gaskraftwerk seit Sommer nur zwei Stunden in Betrieb»:

„Es fehlt der große Wurf“, klagte Reck [Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen, (VKU)]. „Wir sehen, dass der Energiemarkt nicht mehr funktioniert. Während alte, ineffiziente Braunkohlekraftwerke rund um die Uhr laufen, verdienen hocheffiziente Kraftwerke kein Geld mehr.“ Reck und Reimelt [CEO von GE Energy Germany] klagen beispielsweise über ein neues hocheffizientes Gaskraftwerk in Darmstadt, dass GE gebaut hat und die Stadtwerke dort betreiben. Das neue Kraftwerk kann auf Spitzenlasten reagieren und blitzschnell hochgefahren werden.

„Es ist seit Inbetriebnahme im Sommer bisher lediglich zwei Stunden lang gelaufen, während alte ineffiziente Braukohlekraftwerke rund um die Uhr laufen.“, so Reck. Ein Grund: Kohle hat sich seit der massenhaften Förderung von Schiefergas in de USA auf dem Weltmarkt massiv verbilligt. Reck rechnet wie andere Experten damit, dass der Preis noch weiter abstürzen wird. Ein Gaskraftwerk, das adäquat auf fluktuierenden Strom reagieren kann, würde sich so nicht mehr rechnen.

Quelle: Photovoltaik.eu | William Vorsatz

Womit sich wieder mal der Verdacht aufdrängt, dass die Gutachten wohl doch nicht so neutral und sachlich sind, wie sie sein sollten. Aber zu diesem Thema hat ja Tina Ternus schon bestens recherchiert und für mehr Transparenz gesorgt.

Das Gutachten finden Sie auf den Seiten des BMWi




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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