Eigenverbrauch für Gewerbebetriebe lukrativer als für Privathaushalte

23.10.13  10:30 | Artikel: 956050 | News-Artikel (Red)

Am 22.10.2013 sollte es den letzten wirklich schönen Tag in diesem Herbst geben. Es freut sich, wer eine PV-Anlage auf dem Dach hat. Doch ohne Speicher wird niemand zu Hause sein, der den Strom auch nutzen kann. Nicht so in den Gewerbebetrieben. Dort kann und wird Strom abgenommen werden…

Um die 10% höhere Autarkie können Gewerbebetriebe erreichen, wenn sie den Strom aus einer PV-Anlage direkt selbst verbrauchen. Eine kleine Vergleichsrechnung zeigt, die Ursache für diesen Effekt und erklärt auch, warum bereits heute die Tarife für Gewerbestrom günstiger sind, als die Haushaltstarife.

Charakteristik Gewerbekunden

lastprofil deckung h0 g0 pv
Deckungsquote PV zu Standardprofilen

Die erste Aufregung über die Strompreise für 2014 ist verflogen. Medial wurde hauptsächlich eine mögliche Erhöhung der Preise für Privatkunden diskutiert. Wird von der Sorge der Verbraucher um steigende Stromrechnungen gesprochen, dann liegt der Fokus auf dem heimischen Stromverbrauch. Gewerbebetriebe vom Metzger über die Taxizentrale bis hin zum Solariumsbetreiber werden nicht angesprochen, dabei sind die Margen in vielen Branchen im Keller und somit der Druck auf niedrige Energiekosten hoch.

Entscheidend für die Höhe der Stromkosten ist vor allem der angenommene Zeitpunkt des Stromverbrauchs. Im Rahmen der standardisierten Lastprofile sind diese synthetisch beschrieben. Gerade Letztverbraucher von kleineren Gewerbebetrieben sind für die Versorger besonders spannend, da das anzuwendende Lastprofil eine günstige Eindeckung mit PV-Strom erlaubt.

ProfiltypBeschreibungErläuterung
G0Gewerbe allgemeinGewogener Mittelwert der Profile G1-G6
G1Gewerbe werktags 8-18 Uhrz.B. Büros, Arztpraxen, Werkstätten, Verwaltungseinrichtungen
G2Gewerbe mit starkem bis überwiegendem Verbrauch in den Abendstundenz.B. Sportvereine, Fitnessstudios, Abendgaststätten
G3Gewerbe durchlaufendz.B. Kühlhäuser, Pumpen, Kläranlagen
G4Laden/Friseur
G5Bäckerei mit Backstube
G6Wochenendbetriebz.B. Kinos
G7Mobilfunksendestationdurchgängiges Bandlastprofil
L0Landwirtschaftsbetriebe allgemeinGewogener Mittelwert der Profile L1 und L2
L1Landwirtschaftsbetriebe mit Milchwirtschaft/Nebenerwerbs-Tierzucht
L2Übrige Landwirtschaftsbetriebe

(Quelle: BDEW)

Privat vs. Gewerbeprofil

eigenverbrauchsquote gewerbe privatBei den Privatkunden wird fast ausschließlich das H0-Profil (Haushaltskunden) verwendet. Dieser zeichnet sich durch zwei Verbrauchsspitzen über den Tag verteilt aus – eine um die Mittagszeit und die höhere in den Abendstunden. Relativ hoch ist bei den Haushaltskunden die sogenannte Grundlast, welche durch Stand-By-Geräte und Kühlschränke gegeben ist.

Das G0-Profil hat ebenfalls zwei Höhepunkten, jedoch ist das abendliche zeitlich deutlich früher gelegen als bei den Privatkunden. Die Nachtzeiten zeichnen sich durch einen relativ geringen Verbrauch aus.

Diese Unterschiede im zeitlichen Verlauf des Verbrauchs legen nahe, dass Gewerbebetriebe ihren Strom günstiger aus Tarifen beziehen können, bei denen ein hoher Anteil an Strom aus Photovoltaik vorhanden ist.

In Zahlen ausgedrückt ist die Profiltreue im von Gewerbekunden zur PV-Einspeisung um fast 10% höher als bei Privatkunden. Bei einem 10 kWh Verbrauch pro Werktag kann in der Übergangsjahreszeit 4,3 kWh des Profils bei den Haushalten durch eine PV-Anlage gedeckt werden. Bei den Gewerbebetrieben mit einem G0 Profil sind es hingegen 5,3 kWh.

Eigenstrom bei Gewerbebetrieben
Hier werden nicht nur Autos produziert, das ist schon aus der Ferne zu sehen: Vier riesige Windräder stehen vor dem BMW-Werk in Leipzig. Ihre Rotorblätter ragen 190 Meter in den sächsischen Himmel. Sie erzeugen den Strom, den BMW für die Herstellung seines neuen Elektroautos i3 benötigt. (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Was sich für große Industriebetriebe lohnt, kann sich auch für kleinere Gewerbebetriebe lohnen. Gerade bei Familienbetrieben, die im Besitz der Gebäude sind, haben unter Umständen die Möglichkeit eine eigene PV-Anlage zu betreiben. Wird der dort erzeugte Strom auf dem gleichen Gelände verbraucht, so fallen keine Netzentgelte und keine EEG-Umlage an. Wichtiger Indikator für eine Rentabilitätsrechnung kann die Einstufung in einem G1 Profil (Werktag / 08:00-18:00 Uhr) sein. Die rechnerische Eigenverbrauchsquote erhöht sich in diesem Profil auf über 60%.

Zur Vollständigkeit sei an dieser Stelle angemerkt, dass die CDU aktuell plant den Eigenverbrauch von Strom ebenfalls an der EEG-Umlage zu beteiligen.

Beitrag entstanden mit Unterstützung von www.strompreise.net




Autor: Thorsten Zoerner

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Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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