Einspeisevorrang, Ja! Aber auch Erzeugungsvorrang?

22.08.13  09:00 | Artikel: 955871 | News-Artikel (Red)

Einspeisevorrang, Ja! Aber auch Erzeugungsvorrang?Strom ist Strom - zumindest wenn er aus der Steckdose kommt. Davor ist das Stromnetz, ein Flaschenhals, bei dem es Vorfahrtsregeln gibt. Mit dem Einspeisevorrang hat elektrische Energie aus Sonne und Wind erst einmal freie Bahn. In §11 des EEG ist geregelt dass der Netzbetreiber dafür sorge tragen muss, dass es trotz Vorfahrt nicht zu einer Überlastung kommt. Droht ein solches Szenario, dann kann über das Einspeisemanagement die Leistung der EEG Anlagen reduziert werden. Aktuell wird die Version 2 des Leitfaden für Einspeisemanagement bei der BNetzA diskutiert, später soll darin auch die Rangfolge nach Erzeugungsart (Sonne, Wind, Biomasse,…) sein, bislang findet sich dort die Regelungen für die Entschädigungen einer gedrosselten Leistung.

Durch den Einspeisevorrang erhält EE-Strom eine Priorisierung im Stromnetz. Durch das Einspeisemanagement wird verhindert, dass die Priorität keine Auswirkungen auf die Netzstabilität hat. Damit ist ein reaktives Regelwerk vorhanden. Ein Erzeugungsvorrang gibt es deshalb noch nicht.

Vor einer Woche hatte blog.stromhaltig im Beitrag “Aus dem Wind gedreht…” darüber berichtet, dass im Zuge einer operativen Entscheidung eines Windpark Betreibers einige Anlagen vom Netz genommen wurden. Eine Anweisung durch einen Netzbetreiber gab es dazu nicht, sondern es war eine Reaktion auf den Martkpreis.

Da zur selben Zeit in Deutschland thermische Kraftwerke am Netz waren, die zur Stromerzeugung einen Brennstoff (Kohle, Gas, Uran,…) benötigen, wurde sprichwörtlich das Geld für den Energieträger “verbrannt”, während der Windpark vor sich hin döste.

Der Wind stellt keine Rechnung, der Rohstofflieferant schon - zahlen darf letztendlich der Verbraucher.

Gerade bei größeren Windparks sind mehrere Unternehmen beteiligt. Letztendlich haben sie damit unter Umständen auch Einfluss auf die Betriebsführung.

Das Gas-Kraftwerk Irsching 5 wird laut Informationsseite von E.ON betrieben durch die GKI GmbH. Zur GKI gehören unter anderen:

  • E.ON mit 50,2 %
  • N-ERGIE (Nürnberg) mit 25,2 %
  • Mainova (Frankfurt) mit 15,6 %

Die N-ERGIE ist am Windpark Illschwang beteiligt. Mainova am Windpark Siegbach. E.ON hat viele Windprojekte im Portfolio, ist weltweit der dritt größte Offshore Windkraftbetreiber.

Im Offshore Bereich gibt es durch die Offshore Haftung noch ein besonders Schmankerl. Ohne die Strommenge zu erhöhen - und damit für einen Rückgang des Preises zu sorgen - können Betreiber mit fehlendem oder gestörtem Anschluss einen Teil ihrer Ausfälle ersetzt bekommen. Eine Regelung, die das Investitionsrisiko in solche Anlagen reduziert, allerdings auf der anderen Seite auf die Grenzkosten beschränkt sein sollte.

Für einen Erzeugungsvorrang, bei dem Anlagen aus regenerativen Energien vorrangig erzeugen - und nicht nur einspeisen - würde es einen Eingriff in das Fahrplanmanagement und besonders die Betriebsführung der Eigentümer benötigen. Ein Vorhaben, welches die wirtschaftliche Selbstbestimmung massiv beeinflussen würde und alles andere als eine liberale Marktwirtschaft ist.




Autor: Thorsten Zoerner

blog.stromhaltig.de

Thorsten Zoerner betreibt den Blog stromhaltig.de. Einen Großteil seiner Fachartikel veröffentlichen wir regelmäßig auch hier auf unserer Seite. Thorsten Zoerner ist Gründungsmitglied der Energieblogger.



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