Lügendetektor: Eon, RWE und Co: Böse Erneuerbare

16.08.13  11:20 | Artikel: 955844 | News-Artikel (e)

Lügendetektor: Eon, RWE und Co: Böse ErneuerbareEin Gespenst geht um in Deutschland. Es heißt „Stromlücke“ und war schon so oft da, dass sich niemand mehr gruselt. Mitte Juli ließ die Strombranche vermeintliche Interna an die Kollegen der Süddeutschen Zeitung durchsickern. Demnach überprüfen die „Konzerne und Stadtwerke die Wirtschaftlichkeit Dutzender ihrer Kraftwerke“. Die Versorgungssicherheit gerate „in Gefahr“. Denn vielen Kohle-, Gas- und auch Atomkraftwerken drohe ein vorzeitiges Aus.

Von etwa 90 Gigawatt konventioneller Kraftwerkskapazitäten stünden etwa 20 Prozent, also 18 Gigawatt, zur Disposition. Eon hat bereits 6,5 Gigawatt abgeschaltet und erwägt weitere 4,5 dranzugeben, allerdings in ganz Europa – zum Beispiel die alten Blöcke des Kohlekraftwerks Datteln. RWE hat Anfang der Woche seine Pläne präzisiert: 3100 Megawatt (3,1 Gigawatt) will der Essener Konzern in Deutschland und den Niederlanden insgesamt „aus dem Markt nehmen“.

Und schuld ist der böse Ökostrom! Der wird nämlich immer erfolgreicher und läuft den Atomkraftwerken schon den Rang ab. (Ist ja auch logisch und gesetzlich so gewollt. Eingeweihte nennen es „Energiewende“.) Ausgerechnet mittags, wenn RWE und Co. früher in der „Kochspitze“ für besonders gutes Geld ihren dreckigen Strom losschlugen, verstopft an sonnigen Tagen mit seiner eingebauten Vorfahrt nun Solarstrom die Netze. Fossile und nukleare Giganten müssen immer öfter gedrosselt werden und lohnen sich nicht mehr. Denn die Erneuerbaren senken die Preise an der Strombörse.

Dabei stabilisieren Kohle, Atom und Gas doch das Netz, wenn die Erneuerbaren Pause machen. Wie ungerecht! Mutti, die Neuen wollen uns nicht mehr mitspielen lassen, petzt die Branche nach Berlin, wo die Stilllegungspläne nach Angaben der Süddeutschen „ernste Sorgen“ auslösen.

Man reibt sich die Augen. Sind das dieselben Firmen, die den Ökostrom jahrelang verschlafen haben? Dieselben Manager, die gerade acht neue Kohlekraftwerke bauen lassen und sechs weitere planen? Zum Beispiel auch einen höchst umstrittenen Block IV in Datteln? Die bis vor kurzem noch wie die Löwen für längere AKW-Laufzeiten gekämpft haben? Rufen die jetzt wirklich „Abschalten“? Herrlich! Dass dieser Tag so schnell kommen würde...

Hintergrund ist wohl das Ansinnen der konventionellen Versorger, in Zukunft zwei Rechnungen zu schicken: Eine für Strom und eine nur dafür, dass die Kraftwerke als Ökostromreserve in der Landschaft herumstehen. Entsprechende Verhandlungen mit dem Wirtschaftsministerium laufen. Doch nach Spiegel-Informationen warnt die EU-Kommission vor Erpressung durch die Betreiber und vor Subventionen für unrentable Kraftwerke.

Das Umweltbundesamt konterte nur trocken, es bestehe „keine Gefahr, dass in Deutschland die Lichter ausgehen“. Der Leiter der Abteilung Klimaschutz und Energie, Klaus Müschen, sagt: „Wenn die Energieversorger einige ihrer Kraftwerke wegen Überkapazitäten vom Netz nehmen wollen, kann das marktwirtschaftlich sinnvoll sein.“ Es seien genügend Kraftwerkskapazitäten vorhanden, und wegen des europäischen Netzverbunds könnten auch andere einspringen, um die Lücke zu füllen.

Selbst in harten Wintern braucht Deutschland maximal 85 Gigawatt Spitzenlast. Rein rechnerisch ist nach Statistiken der Bundesnetzagentur mit 183 Gigawatt sogar mehr als das Doppelte installiert, wobei dazu auch vorübergehend stillgelegte Kraftwerke zählen und solche, die – wie Windräder und Fotovoltaikanlagen – nicht immer laufen.

Auch sonst ist das Drohpotenzial eher begrenzt: Laut Reservekraftwerksverordnung (ResKV) dürfen systemrelevante Meiler sowieso nicht einfach so ohne staatliche Genehmigung vom Netz.


Mit freundlicher Genehmigung von: www.greenpeace-magazin.de.
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(Quelle: Greenpeace Magazin)


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