Standortfaktor Breitband?! Politik, Verwaltung und Wirtschaft sind gemeinsam gefordert

31.07.13  06:30 | Artikel: 955791 | News-Artikel (e)

Standortfaktor Breitband?! Politik, Verwaltung und Wirtschaft sind gemeinsam gefordertDie kürzlich vom Bundeswirtschaftsministerium vorgestellten Zahlen klingen eigentlich gut: Die Breitbandversorgung mit mindestens 1 MBit/s ist für 99,7 Prozent aller Haushalte in Deutschland gewährleistet. Eigentlich, denn was sich hinter den Zahlen auch verbirgt ist, dass 1,9 Millionen Menschen nach wie vor keine Möglichkeit haben, ins Netz zu gehen.

Sicher, viele wollen von den Vorteilen des Internets gar nicht profitieren, wollen nicht an der sogenannten „Digitalen Gesellschaft“ teilhaben. Schließlich sind in Deutschland laut D21-Digital-Index 2013 nur knapp 77 Prozent der über 14jährigen online. Die Krux dabei ist jedoch, dass es in vielen Teilen Deutschlands gar nicht die Möglichkeit gibt, sich aktiv für oder gegen das Internet zu entscheiden, weil es schlicht gar keine adäquate Zugangsmöglichkeit gibt. Und dies betrifft vor allem den ländlichen Raum; städtische und halbstädtische Regionen verfügen über eine deutlich bessere Internetanbindung. Die Bürger haben auf dem Land oft keine Möglichkeit, online zu shoppen, virtuelle Verwaltungsdienstleistungen zu nutzen oder bequem die nächste Reise vom heimischen Sofa aus zu buchen.

Hinzu kommt, da sind sich alle Stakeholder einig: Eine Downloadrate von 1 MBit/s ist nicht zukunftsfähig. Es kann dahingestellt bleiben, welchen Bandbreitenbedarf letztlich die Zukunft mit sich bringt, ob nun 3 MBit/s oder 50 Bit/s. Sicher ist jedoch, dass sämtliche innovativen Dienste und Anwendungen bereits heute mindestens eine Übertragungsrate von 6 MBit/s im Downstream voraussetzen. Und möchte man zum Beispiel hochauflösendes Fernsehen via Internet nutzen, sollte man schon jetzt über eine Übertragungsgeschwindigkeit von 20 MBit/s verfügen. Und dass die viel zitierten „Dienste der Zukunft“ wie „Ambient Assisted Living“ (AAA) oder Telematikanwendungen künftig noch stark zunehmen und damit der Bandbreitenbedarf weiter steigt, ist schlichtweg Fakt.

Breitbandige Internetanbindungen sind daher unerlässlicher Standortfaktor für eine Region: Die vor Ort ansässige Wirtschaft kann es sich nicht leisten, nicht adäquat an das Netz angeschlossen zu sein. Der werbliche Auftritt nach außen, der Kontakt mit Kunden und Zulieferern ist dabei nur eine Komponente, die Interaktion mit zuständigen Behörden und Ämtern, die Einbindung in Prozessketten etwa im Logistik-Bereich oder die Beteiligung an eVergaben eine andere. Es ist nahezu unmöglich, ohne adäquate Internetstrukturen ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen oder zu unterhalten.

Und auch die Bürger vor Ort sind betroffen. Der Ausschluss vom Zugang zu Kommunikation und Wissen ist auch hier nur die eine Seite der Medaille. Zukunftsfähige breitbandige Infrastrukturen sind vielmehr auch ein Hebel, der Abwanderung aus ländlichen Regionen entgegenzuwirken. Moderne eHealth-Anwendungen ermöglichen es zum Beispiel, dass ältere Menschen länger in vertrauter Umgebung leben können – trotz Ärztemangel und anderer Herausforderungen. Gesundheitsdaten von Patienten werden automatisch erfasst und verarbeitet und erst wenn diese Daten Anlass zur Sorge geben, muss – physisch – ein Arzt aufgesucht werden.

Woran es liegt, dass nicht alle Regionen an breitbandiges Internet angeschlossen sind, ist nicht einheitlich zu beantworten. Mal sind es Kommunen- und Gemeindevertreter, die darauf vertraut haben, dass eines der großen Telekommunikationsunternehmen sie schon ans Netz anbindet – unter Umständen ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Erfordernisse und Machbarkeiten. Mal sind es auch Fehlplanungen in den Unternehmen oder auch reine Verwaltungshindernisse, die dem Ausbau einer breitbandigen Technologie entgegenstehen. Tatsache ist jedoch, dass es mittlerweile zahlreiche Anlaufstellen gibt, die Kommunen und Gemeinden beim Anschluss an zukunftsfähige Netze mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die Länder haben zum Beispiel Breitbandkompetenzzentren eingerichtet, die Auskunft über Best-Practices, über Fördermöglichkeiten und geeignete Umsetzungspartner geben können. Auf Bundesebene ist dies das Breitbandbüro des Bundes (www.breitbandbuero.de). Auch die IHKen und die Kommunalen Spitzenverbände sind hilfreiche Ansprechpartner. Eine betroffene Region muss sich daher in der Regel nicht mit dem Status „weißer Fleck“ abfinden, sondern kann selbst etwas tun. Wichtig ist dabei aber, dass alle an einem Strang ziehen: Politik und Verwaltung über alle Ebenen, die Wirtschaft und letztlich auch alle betroffenen Bürger.




(Quelle: Initiative D21 e.V.)


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