Photovoltaik-Branche: Konsolidierung schreitet weiter fort

16.07.13  10:00 | Artikel: 955738 | Proteus Statement

Photovoltaik-Branche: Konsolidierung schreitet weiter fortMit Gehrlicher Solar hat es in den letzten Tagen wieder mal einen bekannten Namen in der Solarbranche hinweggerafft. Schon seit Monaten bereitet diese Konsolidierungsphase den Unternehmen schlaflose Nächste. Doch es soll noch dicker kommen.

Von Januar bis Mai 2013 wurden 1.488 MW an PV-Anlagenleistung installiert. Im gleichen Zeitraum 2012 wurden noch 2.582 MW gebaut, wobei der Peak mit 1,2 GW im März 2012 auf Grund der politischen Situation entstanden ist. Trotzdem bedeuten diese Zahlen einen dramatischen Rückgang von 40 Prozent.

Die Luft wird also langsam dünner; Unternehmen müssen um Aufträge kämpfen und es bleibt schon gar nicht mehr das an Gewinnen übrig, was noch vor Jahren üblich war. Mittlerweile ist in vielen Bereichen ein heftiger Preiskampf zu beobachten. Die Erhebung von Strafzöllen bei Solarmodulen lässt die Situation dann noch weiter eskalieren.

Die Rahmenbedingungen haben sich somit in den letzten Monaten nicht gerade verbessert, zumal in gut zwei Monaten die Bundestagswahl ansteht. Wahlversprechen und -lügen werden dann sicherlich wieder die Medienlandschaft dominieren. Ob es dabei Gewinner oder Verlierer geben wird, bleibt offen und wird erst in der neuen Legislaturperiode offensichtlich werden.

Sicher ist jedoch, dass es das Thema Energiewende tatsächlich geschafft hat, Wahlkampfthema zu werden. Die Bürger erwarten also durchaus Aussagen zu diesem Themenkomplex.

Doch bis zur Wahl im September werden uns nach Expertenmeinungen noch ein paar Unternehmen verlassen. Bereits im Februar diesen Jahres wurde im Rahmen der Veranstaltung «German Market Briefing 2013» des renommierten Marktanalyse-Unternehmens EuPD Research von einer weiteren Pleitewelle geredet.

Besonders interessant war die Prognose für Modulpreise im Zusammenhang mit der Entwicklung der Systemkosten (BoS). Chefanalyst Markus Lohr sah durchaus noch sinkende Modulpreise, denen die BoS-Kosten folgen sollen. Ab August sollen dann nach kurzer Konsolidierungsphase die Systempreise drastisch sinken, was einen enormen Druck für viele Unternehmen bedeutet. Durch entsprechendes Zahlenmaterial untermauert befürchtete Lohr ein "Installateurssterben" bis zum Ende des Jahres. Viele Unternehmen könnten dem Kostendruck wohl nicht standhalten und würden sich verabschieden müssen, sofern nicht bereits strategisch geplant andere Geschäftsmodelle in Angriff genommen werden könnten. Knapp 40% der Installateure wollten sich laut einer Umfrage umstellen und auch alternative Geschäftsbereiche, wie z.B. Speicherlösungen in Angriff nehmen.

Der Zeitpunkt der Gehrlicher-Insolvenz könnte nicht besser zur Prognose passen und damit ggf. die nächste Runde einläuten. Wohl beraten scheinen die Unternehmen zu sein, die Ihre Strategie überdacht haben. Vermehrte Auslandsgeschäfte und damit Erschließung völlig neuer Märkte und eine Verschiebung des Schwerpunkts auf andere Technologien wie Speicherlösungen oder Smart Home Produkte scheint für viele durchaus aufzugehen, wie auf der diesjährigen Intersolar zu hören war.

Einzig als positiv anzusehen ist, dass die Suche nach neuen Geschäftsfeldern auch vormals eher unbeachtete Themen in die Öffentlichkeit gebracht hat. So stehen Begriffe wie Energieeffizienz, Wärmemarkt oder Eigenverbrauchslösungen heute stärker im Fokus, als noch vor 12 Monaten und bietet so manchem Unternehmen die ersehnte Alternative.

Klar ist, dass es in den nächsten Monaten noch einmal richtig zu Sache geht: weitere Insolvenzen und die Bundestagswahl werden das Thema Energiewende zum Medienereignis werden lassen.

Was dann kommt, steht noch in den Sternen ...

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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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