Fell: Die dritte «Jahrhundertflut» in einem guten Jahrzehnt

03.06.13  13:45 | Artikel: 955590 | News-Artikel (Red)

Fell: Die dritte «Jahrhundertflut» in einem guten Jahrzehnt
Hans-Josef Fell, MdB
Sprecher für Energiepolitik
der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen
Es ist erschreckend, dass in der aktuellen Medienberichterstattung über die aktuellen Katastrophenfluten in Deutschland so gut wie nichts über die Erderwärmung als deren tieferer Hintergrund berichtet wird.

Kommt es denn einem Umweltminister Altmaier, einer Klimakanzlerin Merkel und den meisten Journalisten wirklich nicht in den Sinn, dass seit Jahrzehnten alle Warnungen der Klimaforscher voll damit sind, dass Unwetter immer häufiger und heftiger kommen werden, je höher die Erdtemperatur steigt?

Oder passt es ihnen nicht in die politischen Aussagen und Schlagzeilen der letzten Wochen, Monate und Jahre, dass Klimaschutz eine ökonomische Belastung sei, dass die Kosten für die Umstellung auf Erneuerbare Energien nicht bezahlbar sind, wie sie es seit vielen Jahren und vor allem in den letzten Monaten unentwegt verbreiten? Vielleicht müssten sie all den Menschen erklären, dass es billiger sei, heute schnell und mit hoher Geschwindigkeit auf eine globale Energieversorgung mit 100% Erneuerbare Energien umzusteigen, als weiterhin die jährlich steigenden Schadenskosten, verursacht durch die Erderwärmung zu zahlen. Nur dies wäre genau das Gegenteil von dem, was bisher von dieser schwarz-gelben Regierung zu hören war.

Vorher gilt es also aktiv zu werden. Und dies in ganz anderen Dimensionen als bisher. Ähnlich wie die vielen Proteste weltweit um bessere soziale und demokratische Bedingungen, muss es Druck von Menschen für einen wirksamen Klimaschutz geben. Wobei es nicht nur um irgendeinen Klimaschutz gehen kann, sondern nur um einen solchen, der wirklich etwas bewegt – das kann nur das Ziel der globalen Abkühlung sein, denn mit einer von der Weltgemeinschaft und selbst vielen Klimaschützern angestrebten Erwärmung auf 2°Celsius werden die Jahrhunderthochwässer noch häufiger und heftiger kommen und die Jahrtausendhochwässer zur Normalität werden.

Jedenfalls stieg heute der Hochwasserpegel in Passau sogar über die bisherige Höchstmarke von 12,2 Meter aus dem Jahre 1501. Dabei hat Passau seit 2002 schon viermal Pegelstände von über 9 Metern aushalten musste- und das bei der heute erreichten Erderwärmung von „erst“ 0,8° Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Wie hoch und wie oft werden die Pegelstände alleine in Passau steigen, wenn die Erde sich auf 2°Celsius aufgewärmt hat, wie es die Regierungen der Welt und selbst viele Klimaschützer offensichtlich akzeptieren wollen. Eine Welttemperatur, die mit den heutigen Emissionen von Klimagasen schon in einigen Jahrzehnten erreicht sein wird.




Autor: Hans-Josef Fell, MdB

www.hans-josef-fell.de

Hans-Josef Fell ist energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages seit 1998. Wir veröffentlichen regelmäßig einen Teil der wöchentlichen Infobriefe.



Themenbereiche:

Umweltpolitik

Schlagworte:

Medienberichterstattung | Katastrophenfluten | Erderwärmung (12) | Jahrhunderthochwassers | Schadenskosten