Spionagesoftware: Skype ab sofort mit dabei

15.05.13  08:30 | Artikel: 955532 | News-Artikel (Red)

Spionagesoftware: Skype ab sofort mit dabeiMan kennt das ja von den meisten US-amerikanischen Produkten im Bereich Software: der Hersteller darf per AGB alles und der User hat das Nachsehen.

Beispiele dafür gibt es ja zuhauf. Wer bei Facebook Bilder hochstellt, der erteilt gleichzeitig die Genehmigung, dass das Unternehmen damit machen darf, was es will. Apple verfolgt ähnliche Ansätze; und im Bereich der Bürocomputer gilt Software von Adobe ebenso wie das Betriebssystem Windows schon lange als offizieller Trojaner. Ständig wird der User ausspioniert. Welche Software wann, wie oft genutzt wird, welche Fremd- oder Mitbewerberprodukte installiert sind ... Bisher galt die Erhebung dieser Daten aber als eher tragbar.

Einen Schritt weiter sind dann die Anbieter von Smartphone-Apps gegangen. Viele der kleinen, kostenlosen, meist aber sinnfreien Apps haben ähnlich wie die Apps der großen sozialen Netzwerke, vollen Zugriff auf das Adressbuch des Besitzers. Damit wird die gelesene Information mit einem Mal persönlich.

Microsoft fängt aktuell nach der Übernahme von Skype derzeit an, die Kommunikation im Bereich Text mitzulesen. Ein Anwender fand dies per Zufall heraus und meldete Heise diese Tatsache. Im aktuellen Fall ging es um die Übermittlung einer Webadresse. Kurze Zeit später konnte der Anwender den Aufruf derselben auf seinem Server verzeichnen. Zugegriffen hatte allerdings eine Adresse aus Redmond, dem Firmensitz von Microsoft.

Natürlich könnte das Zufall gewesen sein. Immerhin sind ja Tausende von Crawlern, Bots und Spidern im Web unterwegs. Sind allerdings persönliche Login-Daten in der URL enthalten, wird es merkwürdig und das Mitlesen ist bewiesen.

Microsoft verweist auf Anfrage von Heise auf einen Teil der AGBs. Durch das Mitlesen und checken von URLs sollen Spam-, Betrugs- oder Phishing-Links identifiziert werden. Heise wiederlegte dieses jedoch.

Das Mitlesen und partielle Auswerten von Inhalten ist bei amerikanischen Diensten die Regel. Angst vor Terrorismus vorgeschoben, ist dies Teil einer Strategie, um sich ggf. Wettbewerbsvorteile gegenüber dem Ausland zu verschaffen. Auch ohne paranoid zu sein kennt man ja die verschiedenen Geheimdienste der USA. Machen Sie doch mal in den USA Urlaub.

Den durchschnittlichen User wird das kaum stören. Man hätte ja eh nichts zu verbergen. Man vergleiche das aber mal mit der normalen Post: Der Briefträger öffnet jeden Brief und liest den Inhalt, um sicher zu stellen, dass da keine unlautere Werbung verschickt wird oder um zu prüfen, ob der Inhalt nicht sonst wie verdächtig ist ...

Hört man dann von solchen Machenschaften, so kann man die Datenschutzbeauftragten durchaus verstehen, wenn diese vor solchen Anbietern warnen.

Zum Schluss noch eine persönliche Erfahrung: Brüllen Sie doch mal ein iPhone mit aktiviertem Siri an: «Sch****! Amis! al-Qaida!» und staunen über die Reaktion: «Na, na, na ...»

Wieso kann man da eigentlich nicht den Akku rausnehmen?
Aber das ist dann eine andere Verschwörungstheorie ...




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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