Steuerung der Stromnachfrage als Beitrag zur Versorgungssicherheit

25.04.13  13:10 | Artikel: 955458 | News-Artikel (e)

Steuerung der Stromnachfrage als Beitrag zur VersorgungssicherheitStudie belegt Potenzial von bis zu 1 GW allein in Bayern und Baden-Württemberg

Umweltminister Dr. Marcel Huber (CSU) und Franz Untersteller (Grüne) sowie Rainer Baake, Direktor von Agora Energiewende: „Die Studie liefert wichtige Hinweise für die Gestaltung der künftigen Energiepolitik“

Industriebetriebe in Baden-Württemberg und Bayern könnten kurzfristig mehr als ein Gigawatt ihrer Stromnachfrage zeitlich verschieben. Damit könnte ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit in Süddeutschland geleistet werden. Zu dieser Schlussfolgerung kommt eine Studie, die gemeinsam von den Umweltministerien von Baden-Württemberg und Bayern und der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende in Auftrag gegeben und begleitet wurde.

Für die Umweltminister Bayerns und Baden-Württembergs, Dr. Marcel Huber (CSU) und Franz Untersteller (Grüne), sowie Agora-Direktor Rainer Baake liefert die Studie wichtige Hinweise für einen bedeutenden Aspekt der künftigen Energiepolitik: „Die Steuerung des Stromverbrauchs ist ein wichtiges Instrument, um die Sicherheit bei der Stromversorgung zu gewährleisten. Die Laststeuerung ist bisher noch viel zu wenig beachtet worden. Die neue Studie zeigt, wie viel Potenzial in unseren Unternehmen steckt und dass sie mit wenig Aufwand einen nennenswerten Beitrag für eine sichere Versorgung leisten können.“

Vorschläge für ein neues Marktdesign, mit dem zum Beispiel Anreize zum Bau neuer Kraftwerke geschaffen würden, lägen bereits auf dem Tisch, erklärte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. Er selbst habe zum Beispiel einen Vorstoß zur Schaffung eines so genannten Kapazitätsmarktes unternommen: „Ich habe den Eindruck, dass diese Idee immer mehr Freunde findet. In einem solchen Kapazitätsmarkt würde die Bereitstellung von Stromkapazität bereits vergütet. Richtig gestaltet schaffen wir damit Anreize für den Bau hoch effizienter und weitgehend klimaunschädlicher Gaskraftwerke, die wir für die Energiewende benötigen“. Unter Kapazitäten sei dabei aber nicht nur der Neubau von flexiblen Kraftwerken zu verstehen: „Der notwendige Kapazitätsmarkt muss die drei Kapazitäten Erzeugung, Speicher und eben auch einen zu flexibilisierenden Verbrauch im Sinne von steuerbaren Lasten umfassen“, sagte Untersteller.

Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber betonte: „Eine sichere Stromversorgung ist auch in Zukunft unverzichtbar und gerade für die industrieintensiven Südländer Bayern und Baden-Württemberg entscheidend. Schwankende Naturkräfte wie Sonne und Wind sind neue Herausforderungen. Da sie nur zu gewissen Zeitpunkten verfügbar sind, müssen genau diese intelligent genutzt werden. Stromerzeugung und Verbrauch müssen aufeinander abgestimmt werden. Wir brauchen eine flexible Stromversorgung, die für alle bezahlbar bleibt. Die Bundesregierung ist gefordert, auch diesen Gedanken bis zur Sommerpause in die Eckpunkte für eine zukunftsfähigen Strommarkt einzuarbeiten.“ Um die Potenziale des Lastmanagements in die Praxis umzusetzen, wird der Freistaat auch eigene Projekte weiter vorantreiben.

Ergänzende Informationen:

Bayern und Baden-Württemberg haben derzeit eine Spitzenlastnachfrage von ca. 25 GW, der industrielle Strombedarf liegt bei etwa 55-60 Prozent der Gesamtstromnachfrage in den beiden Bundesländern. Aufgrund des Kernenergieausstiegs besteht Bedarf an neuen Kraftwerken zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Gleichzeitig kann ein Teil dieses Bedarfs aber auch dadurch abgedeckt werden, dass insbesondere industrielle Stromverbraucher ihre Stromnachfrage zeitweise verschieben. Zudem wird es mit steigenden Anteilen von Erneuerbaren Energien immer sinnvoller, die Stromnachfrage aus den Zeiten mit niedriger Stromproduktion aus Wind- und Solaranlagen in Zeiten mit viel Wind und/oder Sonne zu verschieben.

Die vorliegende Studie ermittelt erstmals die Nutzbarkeit und Potenziale verschiebbarer Lasten von Großverbrauchern in Süddeutschland. Dafür wurden mehr als 200 Unternehmen in Bayern und Baden-Württemberg untersucht. Einbezogen wurden dabei sowohl die stromintensivsten industriellen Prozesse (Chemie, Elektrostahl, Papier, Zement) als auch die Querschnittstechnologien (zum Beispiel Lüftung, Klimatisierung), die in vielen Industrien (insbesondere Fahrzeugbau und Maschinenbau) zum Einsatz kommen. Zudem wurde auch das Potenzial im Bereich der Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen untersucht.


Die vorläufigen Ergebnisse stehen ab sofort unter www.agora-energiewende.de zum Download zur Verfügung.




(Quelle: Agora Energiewende)


Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Studie

Schlagworte:

Stromnachfrage (7) | Steuerung (7) | Versorgungssicherheit (50) | Energiepolitik (33) | Stromversorgung (41) | Lastverschiebungspotenzial | Wärmepumpen (10)