Energy Storage: 2. Tag der Speicherkonferenz technisch orientiert

20.03.13  07:00 | Artikel: 955303 | News-Artikel (Red)

Energy Storage: 2. Tag der Speicherkonferenz technisch orientiertNachdem am Montag verschiedene politische Statements den Schwerpunkt des Programms bildeten, war der zweite Teil eher technischer Natur. Hier ging es inhaltlich um die verschiedenen Speichersysteme, die aktuellen Entwicklungen und die verschiedenen Anwendungsbereiche dieser Systeme. Vorweg: nur wenige Systeme stehen derzeit als Endprodukt mit Serienfertigung zur Verfügung.

Allen voran sind es die verschiedenen Institute, wie z.B. Fraunhofer, die Forschung und Entwicklung im Bereich von Speichersystemen betreiben. Hier gibt es grundsätzlich verschiedene neue Erkenntnisse, die jedoch hauptsächlich im Detail liegen. Durch die Vielzahl möglicher Systeme - allein bei den Lithium-Batterien gibt es Dutzende verschiedener Grundstoff-Aufbau-Kombinationen - muss bei jeder Verwendung entschieden werden, was solch ein System denn leisten sollte.

Kennwerte von elektrischen Speichern: Leistung @ Zeit

Hier wird der Focus auf zwei Kennwerte gerichtet: die Nennleistung und die Zeit. Je nach Anwendung muss eine gewisse Leistung zur Verfügung stehen, die meist über die Kapazitätsangabe deutlich wird. Diese Leistung wird dann über einen gewünschten Zeitraum wieder abgegeben. Allein die Lade-Entlade-Zyklen eines häuslichen Batteriespeichers stellen sich ganz anders dar, als z.B. die Anforderungen an ein Speichersystem zum Glätten von Leistungsspitzen einer Windenergieanlage.

Hier wird noch in alle Richtungen geforscht, um entsprechend angepasste Systeme für jedes Einsatzszenario anbieten zu können. Gerade Speichersysteme, die sehr hohe Leistungen in kurzer Zeit aufnehmen und wieder abgeben können, sind derzeit keine trivialen Bauteile. Die meisten dieser Systeme bringen daher schon ein eigenes Energiemanagement in Form von elektronischen Komponenten mit.

Noch werden von diesen Speichersystemen kaum nennenswerte Anlagen verkauft; der Preis ist derzeit einfach noch zu hoch, um diese rentabel in EE-Anlagen einbinden zu können. Gerade mal ein Dutzend Speichersysteme, auf Blei-Säure-Basis oder schon als LiIon-Technologie stehen für private Haushalte zur Verfügung; und selbst diese sind aktuell nur für Eigenheimbesitzer, die nicht sehr auf den Preis schauen und eine eher moderate Renditeerwartung haben.

Neben Leistung und Lade-Entladezeit stehen dann noch die Lebensdauer und die damit in Verbindung stehenden möglichen Ladezyklen zur Disposition. Noch nicht bei allen neuen Batteriesystemen sind exakte Angaben möglich.

Auch Recyclingfähigkeiten und Entsorgung sind noch nicht bei allen System final geklärt. Bei LiIon-System gibt es die Möglichkeit sich an die bereits bestehenden Kanäle anzuhängen (grs-batterien.de, dt. Batteriegesetz); bei Flüssig-Systemen wie Redox-Flow sind nach Angaben von Fraunhofer noch entsprechende Verfahrenstechniken zu entwickeln. Das enthaltene Vanadium ließe sich jedoch über chemische Prozesse wieder herauslösen.

nicht elektrische Systeme

Zwar sind die Speicher für elektrische Energie derzeit recht dominant vertreten, doch es existieren auch eine ganze Reihe von nicht-elektrischen. Eines der ältesten Systeme ist dabei der klassische Wasserspeicher, der Wärme aufnehmen und über eine gewisse Zeit speichern kann. Viele Privathaushalte nutzen solch ein System schon seit Jahren. Interessant wird es in diesem Bereich, wenn über Hochtemperatur-Speicher oder andere Speichermedien geredet wird. Ein Beispiel ist ein von Fraunhofer entwickelter sorptiver Wärmespeicher. Um es einfach auszudrücken: hier werden kleine, künstlich hergestellte Kügelchen verwendet (z.B. Silikate), die ein vielfaches an Wärme im Vergleich zu Wasser aufnehmen können. Und auch die Arbeitstemperaturen können weitgehend frei gewählt werden.

Noch sind wie bereits genannt viele der Systeme im Entwicklungsstadium. Teilweise werden Versuchsanlagen oder Pilotprojekte auch auf internationaler Bühne umgesetzt. Der große Absatz ist jedoch in naher Zukunft eher fraglich, da bei vielen Verwendungsmöglichkeiten entsprechende Kostenvorgaben gemacht werden, die aktuelle Systeme noch nicht erfüllen können. Trotzdem ist die deutsche Energiewende nur mit Speichern möglich, will man die 100% bei der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien erreichen.

Zukunft nicht abschätzbar

Ob es in Zukunft PV- oder windgekoppelte Großsysteme geben wird oder Speicherblöcke der Energieversorger im zweistelligen Megawattbereich, lässt sich heute noch nicht beantworten. Auf kleinerer Ebene wird sich jedoch möglicherweise eine Entwicklung durchsetzen können: Gemeinden, die über PV-, Wind- und Biomasseanlagen verfügen, sind schon relativ gut aufgestellt. Hier ein entsprechendes Nahwärmesystem aufzubauen und auch sinnvoll mit elektrischen Speichern zu kombinieren, ist keine Zukunftsmusik mehr. Erste Gemeinden im Süden der Republik haben dies schon vor nicht langer Zeit so umgesetzt und haben sich dadurch recht unabhängig von den großen Versorgern gemacht. Über entsprechende genossenschaftliche Modelle lassen sich solche Szenarien sogar relativ unkompliziert finanzieren.

Bei all diesen Themen sind Unternehmen und wissenschaftliche Institute an der Weiterentwicklung dieser Systeme beschäftigt. Die Energy Storage ist eine Plattform für den Informationsaustausch und gewährt tiefe Einblicke in den aktuellen Stand von Forschung und Entwicklung. Neben den reinen Fachvorträgen und Workshops waren in diesem Jahr 40 Fachaussteller vor Ort, die auch schon entsprechende Produkte anbieten können. Mehr als 500 Teilnehmer aus 29 Ländern nutzten die Gelegenheit sich zu informieren und auszutauschen. Die Solarpraxis AG zeigte sich durch die rege Teilnahme in ihrem Angebot bestätigt. Entsprechend wurden die Erwartungen mehr als erfüllt.


Hier finden sie eine Bildergalerie zur Veranstaltung

In Verbindung stehende Artikel:

20.03.13: Energy Storage: 2. Tag der Speicherkonferenz technisch orientiert
19.03.13: Auftakt zur Energy Storage 2013 - Altmaier knickt Speicherförderung
18.03.13: BDEW-Chefin Müller fordert von Politik Rahmensetzung zur Energiewende
15.03.13: Speicherkonferenz: Energy Storage - International Summit for the Storage of Renewable Energies



Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



Themenbereiche:

erneuerbare Energien | Speicher | Veranstaltung

Schlagworte:

elektrische Speicher | sorptive Speicher | Solarpraxis (15) | Speicherlösungen (8) | Redox-Flow | Stromerzeugung (91) | Netzdienste