Auftakt zur Energy Storage 2013 - Altmaier knickt Speicherförderung

19.03.13  07:00 | Artikel: 955296 | News-Artikel (Red)

Auftakt zur Energy Storage 2013 - Altmaier knickt Speicherförderung

  • Karl Heinz Remmers, Prof. Eicke Weber und BDEW-Vorsitzende Hildegard Müller eröffnen Energiespeicher-Konferenz der Solarpraxis AG und der Messe Düsseldorf.
  • BDEW fordert Rahmenbedingungen von der Politik
  • Bundesumweltminister bestätigt diplomatisch, dass Speicherförderung gestorben ist.

Welche politische Unterstützung ist notwendig, um den Einsatz von Energiespeichern und die Netzintegration der Erneuerbaren voranzutreiben? Welche Speicher braucht die Energiewende? Wie sehen neue Geschäftsmodelle aus? Dies sind nur einige der Fragen, die auf der diesjährigen Energiespeicherkonferenz diskutiert werden.

So wird im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung über Themen wie Status Quo und Zukunftsaussichten der Technologien Power2Gas, thermale Energiespeicherung und Batterien, Speicherlösungen für Haushalte und internationale Best-Practice-Beispiele informiert. Politische Rahmenbedingungen stehen ebenso auf der Agenda, wie Fragen nach Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und Integration der wichtigsten Speichertechnologien.


Karl Heinz Remmers bei seiner Eröffnungsrede
In seiner Eröffnungsrede sprach Karl Heinz Remmers von der Herausforderung und der Notwendigkeit jetzt mit Speichersystemen anzufangen, damit bis zum Jahr 2050 die geplanten insgesamt 80% der in Deutschland benötigten Energie aus erneuerbaren kommen können. Prof. Eicke Weber gab als Chairman des Vormittags eine umfassende Einführung in die Problematik und die Notwendigkeit der Speichersysteme.

Speicher in den USA schon im Einsatz

Dr. Imre Gyuk vom US-amerikanischen Energieministerium gab im Anschluss einen detaillierten Einblick in den Stand der US-amerikanischen Speichersysteme. Überraschend dabei war, dass dort schon viele unterschiedliche Speichersysteme im Einsatz sind. Diese dienen hauptsächlich der Systemstabilität. So werden viele der Batteriespeicher genutzt, um Spitzen auszugleichen, die durch die Erneuerbaren erzeugt werden. Hier bestehen bereits Anlagen im Bereich von 30 MW.

Aber auch Netz unterstützende Leistungen werden beispielsweise über Schwungradspeicher realisiert, damit die Netzfrequenz bei Bedarf stabil gehalten werden kann. Diese Systeme seien wesentlich flexibler, als konventionelle Kraftwerke, da diese erst im Bereich von Minuten reagieren können.

Auch der Bereich der Endverbraucher entwickelt sich in den USA langsam zu einem Markt. Gerade hier wird aber auch die Notwendigkeit für den Einsatz von Speichern gesehen, da in einigen Gegenden bis zu 50 % Photovoltaik im Netz sind und die Energieversorger bei einer Verschattung durch Wolken in extrem kurzer Zeit teilweise die doppelte Leistung ins Netz einspeisen müssen. Hier können Speicher entsprechend ausgleichen.

BDEW fordert Rahmenbedingungen von der Politik

Hildegard Müller (BDEW) stellte die Position des BDEW in Bezug auf Speicher dar. Klare Priorität habe für den Verband der Ausbau der Netze, gefolgt vom Ausbau weiterer Kraftwerke, die Volkswirtschaftlich sinnvoll seien: Natürlich seien auch Speicher notwendig, aber hier müsse die Politik auch entsprechende Rahmenbedingungen sicherstellen, damit die Energieversorger in solche Technologien investieren könnten.

Den Ausbau von Speichersystemen im Privatbereich sehe Sie kritisch, da die Netzbetreiber und Energieversorger hier unter Umständen gar keinen Einblick in die verfügbaren Reserven hätten. Hier müssten alle Beteiligten mit einbezogen werden, um eben volkswirtschaftlich die beste Lösung zu finden. Die Begründung "volkswirtschaftlich sinnvoll" war einige Male in Müllers Vortrag zu hören; konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier wohl die richtigen Bedingungen für die großen Energieversorger gemeint sind.

Speichermix führt langfristig zum Erfolg

Volker Quaschning (HTW Berlin) betonte in einer kurzen Zusammenfassung nochmals die Notwendigkeit, sich nicht nur auf ein System zu stützen sondern einen sinnvollen Mix aus den verschiedenen Speichersystemen einzusetzen. Olav Hohmeyer (Uni Flensburg) führte dieses weiter aus. Um alle auftretenden Netzszenarien abzufangen, werden eben auch die unterschiedlichsten Speichersysteme gebraucht, die sich vor allem in den unterschiedlichen zeitlichen Einsatzbereichen unterscheiden. Dr. Hans-Martin Henning (Fraunhofer ISE) fasste das Thema dann noch ein wenig weiter und bezog den Wärmemarkt mit ein, der bislang in vielen Diskussionen kaum Beachtung findet. So gab er mit der Einrichtung von etwa 600 Wärmespeichern in der Größenordnung bis 100.000 m³ ein Beispiel, wie durch die Erneuerbaren erzeugte Energie sinnvoll über längere Zeiträume gespeichert werden könne. Power2Gas sei allerdings erst für die letzen 30% notwendig auf dem Weg zu den angepeilten 100% erneuerbare Energien.

Altmaier knickt Speicherförderung mangels Masse


Bundesumweltminister Peter Altmaier
bei der Energy Storage 2013
Um 15:00 Uhr hielt Bundesumweltminister Peter Altmaier seine Rede zum Thema Energiespeicher mit anschließender Diskussionsrunde. Die Einführung ins Thema absolvierte Altmaier gewohnt routiniert wie immer. Erst in Bezug auf Speichersysteme erklärte Altmaier, dass man sich heute nicht auf ein bestimmtes System festlegen könne, außerdem werde ein Mix aus Speicherlösungen bei gleichzeitigem Netzausbau benötigt.

In Bezug auf das geplante Marktanreizprogramm bestätigte Altmaier, dass derzeit keine Mittel zur Verfügung stünden. Wann dies ggf. nach der Wahl besser werden würde sei ihm unbekannt. Zu verdanken hätte die Branche das seinen Vorgängern, die in diesem Punkt schlichtweg falsch gerechnet hätten.

De facto bedeutet dies das Aus für die bereits angekündigte Speicherförderung, so dass Unternehmen, die bereits auf neue Vertriebschancen hofften, jetzt wieder umdenken müssen.


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Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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