Spekulanten zocken wieder auf Backloading Entscheidung – Preisschwankungen von bis zu 50% werden erwartet

18.02.13  16:15 | Artikel: 955170 | Proteus Fach-Artikel

Spekulanten zocken wieder auf Backloading Entscheidung – Preisschwankungen von bis zu 50% werden erwartetDie heute beginnende 8. Kalenderwoche des Jahres 2013 wird die Woche der Wahrheit werden was den CO2-Preis für die nächsten Jahre betrifft. Ein offensichtlich bereits deutlich spekulativ erhöhter EUA (Primärmarktauktionen von europäischen Emissionsberechtigungen) wird im günstigsten Falle nach kurzem Aufflackern den Rückwartsgang einlegen und sich langsam wieder im Bereich der 5 Euro einpendeln.

Wahrscheinlicher jedoch ist, dass sich eine bereits erkennbare Spekulationsdelle trotz positivem Backloading-Votum abflacht und sich der EUA wieder der 4 Euro Grenze nähert und diese unterschreiten wird. Das durchaus aber auch mögliche Worst-Case-Szenario eines negativen Abstimmungsergebnisses im Umweltausschuss würde den EUA sofort in den Preis-Keller treiben, der sich nach Einschätzung von Emissionshändler.com® bei 2 Euro auftun wird.

Rückblick auf den EUA-Preis 2012
Nachdem die Marktteilnehmer im November/Dezember 2012 den Schock des Preisrückganges um 37% innerhalb von 3 Wochen von 9,47 Euro/t auf 5,99 Euro/t (12.11.12-04.12.12) einigermaßen verdaut hatten, kamen objektiv betrachtende Spezialisten rasch zu dem Ergebnis, dass es sich hier um eine typische Erscheinung einer kurzzeitigen entstandenen Preisblase gehandelt hatte.

Offensichtlich basierte ein großer Teil des im November 2012 erfolgten Preisanstieges von 8 Euro/t auf 9,47 Euro/t auf rein spekulativen Käufen von Marktteilnehmern, die auf ein positives Signal zu einem Backloading im Umfang von mindestens 900 Mio. Tonnen setzten.

Oktober-November-2012-DEC13
Oktober/November 2012: Künstliche Preissteigerung um 15% beim DEC13 auf Basis eines sowieso schon zu hohen Preises

Der derzeitig wahre Wert des EUA dürfte eher deutlich unter 5 Euro/t liegen; immer schon vorausgesetzt, dass mindestens 900 Mio. Tonnen Auktionsvolumen von 2014/2015 auf 2019/2020 verschoben werden.

Es ändert sich eben fundamental nichts an der Tatsache, dass sich rund 2 Milliarden Tonnen Zertifikate zuviel im System befinden und dass die aktuellen Auktionen von Primär-EUA auf eine viel zu geringe Nachfrage stoßen, so dass bereits auch Versteigerungen mangels Nachfrage abgesagt werden mussten.

Der neue Preisrückgang in 2013
Davon ausgehend, dass bei einer relativ sicher zustande kommenden Backloading-Vereinbarung ein Preis von weniger als 5-6 Euro eine sichere Grenze darstellt, hätte man denken können, dass das beginnende Jahr 2013 keine größeren Überraschungen mehr hätte bieten können.

Trotz der von vielen Marktteilnehmern erwarteten, mittelfristigen positiven Entscheidung zu einem Backloading kam es ab dem 07.01.2013 (6,65 Euro/t) aber zu einem weiteren ständigen Rückgang des EUA-Preises. Hierbei wurde durch den DEC13 am 21.01.2013 mit 4,97 Euro/t erstmals die psychologisch wichtige Marke von 5 Euro unterschritten und ein entscheidendes Signal gesetzt, dass diese Grenze nicht unantastbar ist.
Im weiteren Verlauf des Preisrückganges wurde am 31.01.2013 mit dem Schlusskurs von 3,42 Euro/t beim DEC13 der absolute Tiefpunkt erreicht. An diesem Tage fiel der Spot-EUA durch fast panische Verkäufe sogar zwischenzeitlich unter die 3 Euro-Marke.

Januar-2013-DEC13
Januar 2013: DEC13 Kursverlust über 50% innerhalb 19 Handelstagen

Sehr bemerkenswert daran war, dass sich eigentlich seit Anfang des Jahres nichts an den bekannten Daten und Fakten geändert hatte. Man konnte aber nunmehr gut sehen, wie bei den seit Jahresanfang beginnenden EUA-Primärauktionen ein stetiges (und zuvor auch schon bekanntes) Angebot auf eine immer geringer werdende Nachfrage stieß.


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Michael KroehnertÜber den Autor:
Michael Kroehnert ist Geschäftsführer der Gesellschaft für Emissionsmanagement und Beratung mbH (GEMB) und stellv. Vorsitzender im Bundesverband Emissionshandel und Klimaschutz (www.bvek.de)






(Quelle: Michael Kroehnert)


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