Energiekonzern RWE gerät durch umstrittene Haustürgeschäfte erneut in die Kritik

25.01.13  11:45 | Artikel: 955068 | News-Artikel (Red)

Energiekonzern RWE gerät durch umstrittene Haustürgeschäfte erneut in die KritikDer Wettbewerb unter den Energieversorgern ist wohl hart. Hunderte kleine Anbieter machen den Platzhirschen der letzten Jahrzehnte Konkurrenz. RWE reagiert auf den Druck und schickt Außendienstmitarbeiter los, die Stromkunden zurückerobern sollen. So ganz legal ist das nicht.

Schon seit Anfang letzten Jahres wildert der Essener Energieriese RWE im Revier verschiedener Stadtwerke. Außendienstmitarbeiter bieten den Bestandskunden der lokalen Stadtwerke scheinbar kostengünstigere Stromlieferungen an. Einigen Kunden stieß dieses Verhalten auf und gaben die Information an den aktuellen Stromversorger weiter. Diese zeigten sich wenig erbaut von den Praktiken der RWE; und beschritten hurtig den Klageweg.

Bereits im März 2012 unterlag RWE vom dem Landgericht, wie die Stadtwerke Bochum in diesem Zusammenhang mitteilten:

Landgericht untersagt unlautere Haustürgeschäfte der RWE - Stadtwerke bieten überrumpelten Kunden Hilfestellung

Von Haus zu Haus zu ziehen und unangekündigt zwischen Tür und Angel Bochumer Kunden zu einem Vertragsabschluss überreden zu wollen ist schon alles andere als professionell. Wenn dann noch unlautere Mittel hinzukommen ist es an der Zeit die Verbraucher zu schützen und den dubiosen Machenschaften einen Riegel vorzuschieben. Das Bochumer Landgericht folgte vor wenigen Tagen dem Antrag der Stadtwerke Bochum und stoppte das wettbewerbswidrige Verhalten bei den Haustürgeschäften der RWE-Vertriebsmitarbeiter durch eine einstweilige Verfügung.

Seit Ende Februar waren Mitarbeiter des Essener Stromriesen im Stadtgebiet mit unlauteren Methoden auf Kundenfang. Die Masche: Man behauptete der Vorlieferant der Stadtwerke Bochum zu sein und aus diesem Grund den Strom zu günstigeren Konditionen anbieten zu können, da der Aufschlag der Stadtwerke entfalle. Weitere falsche Tatsachen, dass beispielsweise der Strompreis nur gesenkt werde, wenn man zu RWE wechselte wurden angeführt, um die Kunden zu einem schnellen Vertragsabschluss zu überreden. In kürzester Zeit summierten sich Anrufe verunsicherter Bürger im Stadtwerke-Kundenservice. „Wir sind froh, dass sich unsere Kunden vertrauensvoll an uns gewandt haben, um sich zu vergewissern, ob die Behauptungen auch stimmen“, erklärt Thomas Schönberg, Pressesprecher der Stadtwerke Bochum. „Nur so konnten wir die Sache aufklären und rechtliche Schritte gegen die unlauteren Praktiken des Essener Wettbewerbers einleiten.“


Nicht der Eintreiber der GEZ.
RWE-Mitarbeiter wollen Kunden
wettbewerbswidrig Stromverträge
aufs Auge drücken.
Bochum war jedoch kein Einzelfall. In Aachen, Wuppertal und Menden wurden ähnliche Fälle bekannt. Auch hier reagierten die lokalen Stadtwerke zumeist mit dem Klageweg. Um aktuellen Fall hatten die Stadtwerke Menden vor dem Landgericht Arnsberg geklagt. RWE unterlag auch hier erneut.

Ob der Energieriese nun seine unlauteren Praktiken einstellt ist bis dato noch ungewiss. Durch immer weiter steigende Energiepreise sind die großen Versorger gezwungen gegenüber ihren Aktionären gut dazustehen. Bereits seit Monaten sind viele Ökostromanbieter teils wesentlich günstiger, als die Tarife von RWE und Co.

Verbraucherschützer raten grundsätzlich davon ab, Strom- oder Gasverträge an der Haustür abzuschließen. Hier sollten vielmehr die einschlägigen Internetportale zum Preisvergleich genutzt werden. Zumal eine Entscheidung in Ruhe getroffen werden kann. Schließt man dennoch einen Vertrag an der Haustür ab, so hat der Kunden in jedem Fall das gesetzliche Widerspruchsrecht und kann innerhalb von 14 Tagen vom Vertrag zurücktreten.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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