PV-Zubau 2012: Die Nennleistung ist nur die halbe Wahrheit

14.01.13  11:15 | Artikel: 955032 | News-Artikel (Red)

PV-Zubau 2012: Die Nennleistung ist nur die halbe Wahrheit
Sascha Röber
Das alte Jahr geht, das neue Jahr kommt. Und die FAZ bleibt sich treu: PV-Bashing wie eh und je. Obwohl: Der Artikel “Wegen Förderung: So viele neue Solaranlagen wie noch nie” ist fast schon rein sachlich – ungewöhnlich für diese Zeitung, die die Photovoltaik fast noch mehr auf dem Kieker hat als SPIEGEL Online.

Nun denn. FAZ also journalistisch nahezu neutral. Doch was liest man in den Kommentaren zum Artikel?

Da meldet sich beispielsweise ein Leser. Unter anderem schreibt er: “Und nur damit es auch der letzte versteht: Hier wird noch auf Jahre hinaus mit Steuergeldern um sich geworfen”. Offensichtlich hat er selbst noch nicht verstanden, dass das EEG ein Umlagesystem ist und eben nicht aus Steuergeldern finanziert wird. Und offensichtlich ist es ihm lieber, e.on und Konsorten verdienen weiterhin Millarden mit klimaschädlich und schmutzig erzeugter Energie.

Ein anderer meint, die Aufgabe der Kernenergie führe zu einer “industriellen Katastrophe”. Warum? Vorkommnisse wie Fukushima, Tschernobyl, Windscale etc. sind Katastrophen. Hier werden Ursache und Wirkung offensichtlich vertauscht.

Aber einer Lesermeinung muss ich leider recht geben. Die Darstellung der Leistung, egal ob PV oder Wind, ist oft nur nominal. So heißt es in dem Artikel u.a.: “Im Jahr 2011 wurden noch Anlagen mit einer Gesamtleistung von 7500 Megawatt und 2010 mit 7400 Megawatt gebaut. Ein neuerer Atomreaktor kommt in Deutschland im Vergleich auf eine Leistung zwischen 1000 und 1500 Megawatt.”

Das mag grundsätzlich nicht falsch sein, denn der Vergleich der Nennleistungen ist wohl korrekt. Aber dass PV und Wind bei gleicher Nennleistung deutlich weniger Strom produzieren (können) als bspw. Atomreaktoren, wird dabei nicht erwähnt. Ich wäre sehr dafür, bei Vergleichen der Erneuerbaren mit den Konventionellen immer auch noch darzustellen, dass die tatsächlich produzierte Strommenge eben deutlich geringer ist als bei den herkömmlichen Kraftwerken. Das könnte sehr gut helfen, den Bedarf für weiteren Wind- und PV-Zubau zu unterstreichen.

Und zum anderen könnte dies dazu beitragen, dass sich Zeitgenossen, die sehr wohl zwischen Nennleistung und tatsächlicher Stromproduktion zu unterscheiden wissen, von derartigen Formulierungen nicht an der Nase herumgeführt fühlen. So scheint es auch einem weiteren Leser des FAZ-Artikels gegangen zu sein. Seinen Beitrag überschreibt er nämlich mit den Worten: “Argumente genau dieser Qualität überzeugen mich vom Gegenteil.”

Sehr schade.


Autor des Artikels ist Sascha Röber, der bei einem der größten Entwickler und Projektierer für EE-Projekte in Europa als Bereichsleiter Unternehmensfinanzierung arbeitet. Die erneuerbaren Energien sind für ihn seit jeher ein wichtiges Anliegen.

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Autor: Sascha Röber

www.sascha-roeber.com

Sascha Röber war nach einer über 20-jährigen Karriere als Banker gut fünfeinhalb Jahre Bereichsleiter Corporate Finance beim Solar- und Windparkprojektierer juwi AG in Wörrstadt. Regelmäßig bloggt und tweetet er zu den Themen Energiewende und Elektromobilität und betreibt die Tesla-Vermitplattform teslanauten.com. Privat fährt er einen Tesla Roadster. Sascha Röber wohnt zur Zeit in Frankfurt am Main.



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