DIHK-Präsident Driftmann: «Energiewende ist gleichzeitig zu schnell und zu langsam»

02.01.13  06:45 | Artikel: 955004 | News-Artikel (e)

DIHK-Präsident Driftmann: «Energiewende ist gleichzeitig zu schnell und zu langsam»
Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann
Präsident des DIHK
DIHK-Präsident Driftmann verlangt Reform des EEG

Die Probleme bei der Umsetzung der Energiewende belasten auch die deutsche Wirtschaft. Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), sieht durch die steigenden Strompreise die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in Gefahr.

"Die Energiewende ist an manchen Stellen zu schnell und an manchen Stellen zu langsam", sagte Driftmann der Nachrichtenagentur dapd. "Zu schnell ist sie beim Ausbau der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung. Dadurch entstehen für Wirtschaft und Verbraucher unnötige Kosten, weil wir zum Beispiel mehr für die Netzstabilität ausgeben müssen und auch noch für erneuerbaren Strom bezahlen, der wegen fehlender Netze nicht genutzt werden kann."

Das lege gleichzeitig den Finger in eine andere Wunde: "Der Netzausbau hinkt den Anschlusszahlen für Wind- und Photovoltaik-Anlagen hinterher", kritisierte der DIHK-Präsident. "Wir brauchen daher eine echte Verzahnung von Netzausbau und Ausbau der erneuerbaren Energien."

Vor dem Hintergrund, dass erneuerbaren Energien schon heute 20 Milliarden Euro an Umlage kosten, forderte Driftmann, "den weiteren Zuwachs dringend über eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu dämpfen".

Zudem könne die Bundesregierung über eine deutliche Verringerung der Stromsteuer kurzfristig etwas gegen den Anstieg der Strompreise unternehmen. "Das geht auch in Zeiten des Wahlkampfs, weil sie eine reine Bundessteuer ist", erklärte Driftmann. "Durch die Senkung würden genau die Gruppen entlastet, die sich als die Träger der Hauptlast der Energiewende fühlen: der Mittelstand und die Verbraucher. Die Bundesregierung sollte diese Chance ergreifen."

Auch wenn sich der Preisanstieg zum 1. Januar beschleunige, kletterten die Strompreise schon seit Jahren und nicht erst mit Ausrufung der Energiewende, erinnerte der DIHK-Präsident. "Das hat vor allem mit den staatlich verursachten Belastungen zu tun, die in den letzten 15 Jahren von 2 Milliarden auf über 30 Milliarden Euro angestiegen sind. Dadurch gehören die deutschen Strompreise zu den höchsten in Europa."

In Folge leide die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Die Betriebe versuchten deshalb verstärkt, dem Kostenanstieg Herr zu werden, etwa durch Effizienzsteigerungen oder durch den Einstieg in die Eigenerzeugung von Strom.




(Quelle: DIHK)


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