Deutsche Umwelthilfe fordert Rückkehr zu fairer Lastenteilung in der Energiewende

16.11.12  04:30 | Artikel: 954789 | News-Artikel (e)

Deutsche Umwelthilfe fordert Rückkehr zu fairer Lastenteilung in der EnergiewendeStrompreissteigerungen bei Beziehern niedriger Einkommen ausgleichen und ungerechtfertigte Privilegien der Industrie zurückfahren - EEG-Umlage 2013 liegt bei 0,5 Prozent der Konsumausgaben durchschnittlicher Haushalte - DUH nennt Preisentwicklung »nicht wirklich bedrohlich« - Energieintensive Industrie profitiert von Preissenkung an der Börse - Schriller Ton in der Preisdebatte droht Zustimmung zur Energiewende zu unterminieren

Die andauernde Debatte über steigende Strompreise trägt teilweise irrationale Züge und wird von interessierter Seite geschürt, um die Zustimmung der Deutschen zu den Erneuerbaren Energien zu unterminieren. Das erklärte die Deutsche Umwelthilfe in Berlin bei der Vorstellung einer Faktensammlung zum Thema Strompreise. Anlass waren die in dieser Woche verschickten Schreiben, mit denen zahlreiche Stromversorger ihre Kunden auf die im Januar anstehenden Strompreiserhöhungen einstimmen.

Der Leiter Politik & Presse der DUH, Gerd Rosenkranz, warf Teilen der Industrie vor mit Falschbehauptungen und Halbwahrheiten darüber hinwegtäuschen zu wollen, dass für etwa 90 Prozent der Wirtschaft Strompreissteigerungen nach wie vor kein relevanter Kostenfaktor seien. Ein Großteil der restlichen 10 Prozent weise wirklich hohe Energiekosten auf und sei eben deshalb von den Lasten der Energiewende weitestgehend befreit. Die energieintensivsten Unternehmen erlebten nach neuesten Zahlen im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Strompreisnachlass von mehr als acht Prozent, während vergleichbare Unternehmen in wesentlichen Wettbewerberländern wie Italien, Großbritannien, Frankreich und Spanien mit hohen Preisaufschlägen fertig werden mussten. "Diejenigen, die am lautesten jammern, gehören nachweislich zu den Profiteuren der jüngsten Entwicklung in der Energiewende", sagte Rosenkranz. Trotz traditionell vergleichsweise hoher Industriestrompreise in Deutschland habe sich die Wettbewerbssituation ganz entgegen den Behauptungen der Industrieverbände verbessert und nicht verschlechtert, was sich ja auch in der Wirtschaftslage spiegele. Bei anderen Betrieben, die nicht ganz so viel Strom verbrauchen, sei der Effekt nicht mehr ganz so eindeutig; relativ zu den Unternehmen in den genannten Ländern seien aber auch sie deutlich im Vorteil.

Neben der Entlastung einkommensschwacher Haushalte von den Strompreissteigerungen fordert die DUH die Bundesregierung auf, ungerechtfertigte Privilegien für Industriebetriebe zurückzunehmen und in Zukunft auch jene Sondergewinne in der Industrie abzuschöpfen, die darauf zurückzuführen sind, dass die Einspeisung von immer mehr Elektrizität aus Wind und Sonne die Börsenpreise für Strom massiv senken. Rosenkranz: "Die Umsetzung unserer Vorschläge ist dringlich, weil sie für Energiegerechtigkeit sorgen. Sie dämpfen die Strompreise für private Haushalte und den nicht-privilegierten Mittelstand um etwa einen Cent pro Kilowattstunde." Dies sei vor allem wichtig für mittelständische Unternehmen, die relativ viel für Strom ausgeben müssen, aber die Verbrauchsschwellen für die Befreiung von der EEG-Umlage oder andere Privilegien verfehlen.




(Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V.)


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