Google veröffentlicht aktuellen Transparenzbericht: Datenlöschungen und Zensur nehmen weiter zu

14.11.12  06:37 | Artikel: 954782 | News-Artikel (Red)

Google veröffentlicht aktuellen Transparenzbericht: Datenlöschungen und Zensur nehmen weiter zuGoogle hat aktuell den jüngsten Transparenzbericht veröffentlicht. In diesem Bericht veröffentlicht der Suchgigant alle Anfragen zur Löschung von Urheberrechtsverletzungen aber auch Aufforderungen von Regierungsbehörden und Gerichten, Inhalte aus bestimmten Diensten zu entfernen. Nach Einschätzung von Google nimmt die Anzahl der politisch motivierten Anfragen immer noch zu.

Rund 21.000 Anfragen erreichten Google im ersten Halbjahr 2012 um z.B. Suchergebnisse, Blogbeiträge oder Videos aus den verschiedenen Dienten zu entfernen zu lassen. Traffic-Blockaden oder urheberrechtliche Anträge zur Löschung werden von Google nahezu in Echtzeit auf den Seiten des "Transparency Report" dargestellt. Staatliche Anliegen oder Gerichtsurteile hingegen müssen noch manuell erfasst werden, weshalb Google den Report nur mit halbjährlicher Frequenz aktualisiert.



Der Google Transparency Report stellt folgende Daten in verschiedenen Ansichten zur Verfügung:

  • Echtzeitdaten und bisherige Daten zu den Zugriffen auf Google-Dienste auf der ganzen Welt
  • Anzahl der Anfragen zu einer Entfernung, die wir von Urheberrechtsinhabern oder Regierungen erhalten
  • Anzahl an Anfragen zu Nutzerdaten, die wir von Regierungsbehörden und Gerichten erhalten

Screenshot: Google Transparency Report - Anträge auf Entfernung
Screenshot: Google Transparency Report - Anträge auf Entfernung

Die Anfragen werden zweifelsohne mehr. Bei gravierenden Urheberrechtsverletzungen mag dies durchaus begründet sein - hier führte Microsoft die Liste im letzten Halbjahr an, aber wenn staatliche Stellen aus Westeuropa langsam anfangen Inhalte entfernen zu lassen (so sie denn Erfolg haben), ist die Zensur nicht mehr weit. Unternehmen und Betroffene können ebenfalls Löschanträge stellen: Hier sind es fast 2 Mio. URLs pro Woche.

Bei Staaten aus dem asiatischen Raum oder auch dem nahen Osten schlägt die Zensur je nach politischem Regime zu; oftmals sind Googles Dienste tagelang nicht zu erreichen (auch die Verfügbarkeit der Dienste ist gelistet). Allerdings scheint es, das westliche Demokratien auch langsam aber sicher anfangen, unbeliebte Inhalte besser mal löschen zu lassen.

Für Deutschland erklärt Google im Transparenz-Bericht:

Aufgrund einer gerichtlichen Verfügung haben wir acht Suchergebnisse mit Links zu Websites, auf denen angeblich die Ehefrau eines Politikers verleumdet wird, gelöscht.

Getrennt davon haben wir eine gerichtliche Verfügung zur Löschung von 111 Suchergebnissen mit Links zu Websites erhalten, deren Inhalte gegen Markenrechte verstoßen sollen. Wir sind diesem Ersuchen nicht nachgekommen und haben keine Inhalte entfernt, da die angegebenen URLs keinen Zusammenhang mit dem in der Verfügung genannten Löschungsgrund besaßen.

Von der BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) erhielten wir ein Ersuchen um Löschung eines YouTube-Videos, das anstößige Sprache im Zusammenhang mit der Polizei enthielt. Wir haben die Anzeige des YouTube-Videos in Übereinstimmung mit den örtlichen Gesetzen eingeschränkt. Außerdem erhielten wir zwei Ersuchen des von den Jugendschutzbehörden beauftragten Unternehmens Jugendschutz.net, 316 Videos wegen angeblicher Verletzung des deutschen Jugendschutzgesetzes sowie anderer geltender Gesetze zu entfernen. In Übereinstimmung mit der örtlichen Gesetzgebung haben wir die Anzeige einer Mehrzahl dieser Videos in Deutschland eingeschränkt.

The number of content removal requests we received increased by 140 % compared to the previous reporting period.




Autor: Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Datenschutzbeauftragter (IHK), Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.



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